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Anthony D'Ambrosio Headshot

Ein offener Brief an meine Exfrau: Ich dachte du wärst das Schönste auf der Welt

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Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass du und ich von all den Menschen auf dieser Welt etwas so Schlimmes durchmachen würden, wie wir es getan haben.

Während all der Jahre haben wir zusammen die schönsten Erinnerung geschaffen. Wir sind zusammen den ganzen Weg bis an die Spitze hochgeklettert, nur um zu straucheln und zu fallen, sobald wir dort angekommen waren. Und auch wenn ich zu diesem Sturz beigetragen habe, habe ich dennoch so sehr versucht dich zu halten.

Mein Herz ist in eine Million Stücke zersprungen. Ich musste schließlich erkennen, dass ich uns nicht retten konnte.

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Ich konnte nicht rückgängig machen, was bereits passiert war und ich habe dich gehen lassen, damit du dein wahres Glück findest.

Alles was ich jemals wollte, war eine eigene Familie. Jeden Tag träumte ich davon, mich in eine Frau zu verlieben, zu heiraten, ein wunderschönes Haus zu kaufen und eines Tages unseren eigenen kleinen Wonneproppen in diese Welt zu setzen.

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Ich denke, ich brauche nicht zu erwähnen, dass sich das mit dir sehr real angefühlt hat. Du hast mir geholfen, die meisten meiner Träume zu erfüllen. Ich wollte nichts weiter als der beste Ehemann, der romantischste Liebhaber, der selbstloseste Versorger und eines Tages der beste Vater der Welt zu sein.

Unsere Beziehung war nicht perfekt, aber ich habe dich so sehr geliebt.

All diese DInge, die ich sein wollte, konnte ich mir mit niemand anderem als dir vorstellen.

Unser Leben zusammen war wie Disney World. Wir rannten sorglos durch diesen Freizeitpark, den wir Leben nennen. Hielten unsere Hände, lachten, weinten und liebten und bewunderten alles, was wir erlebten. Wir waren Kinder mit Träumen und dachten zusammen an den Tag, an dem all das wahr werden würde.

Schließlich hielten die Achterbahnen jedoch an.

Die Musik setzte aus, die Lichter gingen aus und unsere magische Reise kam zu einem abrupten Ende.

Du warst weg.

Plötzlich fühlte sich alles Bekannte im Leben fremd an. Ich war verloren ohne dich. Alles was mir blieb, waren meine Erinnerungen und Träume von uns, von denen ich wusste, dass sie niemals wahr werden würden.

Es gibt einige Dinge, bei denen ich nie die Gelegenheit hatte, sie dir zu sagen:

Jedes Mal wenn ich dich angerufen habe, habe ich mich schon darauf gefreut, wenn du rangehen würdest. Du sagtest dann "hey" mit dieser Stimme, die so unschuldig und liebevoll klang. Und das hat sich nie geändert.

Es erinnerte mich immer an den Anfang unserer Beziehung und an all die Gründe, warum ich mich in dich verliebt hatte. Wer hätte gedacht, dass etwas so Simples so mächtig sein könnte? Es machte dich einzigartig.

Erinnerst du dich an die Male, als du mich angeschrien hast, weil ich dich anstarrte? Du fragtest mich dann warum und entweder lachte ich oder wurde wütend, weil du so etwas Freches an dir hattest.

Weißt du was? Ich starrte dich an, weil ich dachte, du seist das Wunderschönste auf dieser Welt. Mir war es egal, was du anhattest - ob du geschminkt warst. Ich sah dich an und verlor mich in deinem Lachen.

Welche Makel du auch immer an dir sahst - ich habe sie geliebt: Wie du immer vor dem Spiegel standest und deinen Bauch eingezogen hast; wie du jedes Bild von uns analysiert hast und mich gezwungen hast 9 von 10 davon zu löschen; wie du um das Telefon gerast bist, wenn du nervös warst. Wie sehr du es gehasst hast, gefilmt zu werden. Mir fiel alles auf. Aber ich habe es geliebt.

Was ist mit Valentinestag in Atlantik City, als wir im Hotel ankamen, unsere Schlüssel zu unserer Suite bekamen und feststellten, dass es widerlich war? Du wolltest dich nicht einmal aufs Bett setzten! Wir lachten beide ,bis unser Zimmer getauscht wurde.

Als wir es dann bekamen bist du auf und ab gesprungen wie eine Wahnsinnige (ich habe es auf Video) und dann brachst du schließlich zusammen und hast ein Schläfchen gemacht, wie du es immer getan hast.

Ich saß damals an dem wolkigen Nachmittag im Zimmer, mit gelöschten Lichtern und sah dir beim Schlafen zu. Ich dachte die ganze Zeit daran, dich eines Tages zu heiraten und die Möglichkeit zu haben, diesen Moment immer und immer wieder zu genießen. Du sahst so friedlich aus und es erinnerte mich an meine Verantwortung, dich immer zu beschützen.

Dann gab es diesen einen Nachmittag im Sommer im Juni. Als ich von der Arbeit zurück nach Hause pendelte, war das die aufregendste Autofahrt meines Lebens (und auch die längste). Ich werde nie vergessen, wie ich mein Telefon nahm, dich anrief, um dir zu sagen, du sollst dich fertig machen und mich im Haus treffen, damit wir zusammen zu Abend essen können. Es war spontan, ich weiß, und im Nachhinein betrachtet auch nicht besonders gut geplant. Das war mir aber egal.

Ich wollte dich fragen, ob du den Rest deines Lebens mit mir verbringen willst und ich denke, ich konnte einfach nicht mehr warten.

Dein Ring lag schon seit drei Wochen in meinem Zimmer, in seiner blauen Tiffany-Box mit dem weißen Geschenkband. Jedes Mal, wenn ich ihn ansah, musste ich an diese Nacht im Mai 2004 denken, als ich dich zum ersten Mal sah.

Ich sah uns als Kinder, die nichts als sich gegenseitig haben. Ich dachte an die Träume, die wir teilten und wie bereit ich doch war, den Rest meines Lebens mit dir zu verbringen. Du hast mir dabei geholfen, mich zu dem Mann zu machen, der ich werden sollte und das war die Verkörperung meiner Liebe und Wertschätzung für dich.

Als ich diesen Strand in Long Branch entlanglief, war ich so nervös - meine Händen schwitzen, mein Herz raste. Als ich dann in dem Sand auf die Knie ging, erinnere ich mich an dein Gesicht. Die Sonne ging gerade unter, dein Haar wehte im Wind. Ich konnte die Wellen hinter mir brechen hören. Ich werde nie vergessen, wie du deine Hände über den Mund schlugst und "JA!" sagtest.

Es war einer der glücklichsten Momente in meinem Leben. Als ich den Ring über deinen Finger streifte, war ich mir sicher, dass du ihn nie wieder abnehmen würdest.

So komme ich zu unserem Hochzeitstag.

10. Juni 2012, der beste Tag meines Lebens. Ich habe mich 27 Jahre lang darauf gefreut, aber ich hätte mir nie vorstellen können, dass es so schön werden würde, wie es war.

Ich war von allem überwältigt: von den Kameras, den Blumen, den Leute, der Kirche, dem Ort. Alles übertraf meine kühnsten Träume, aber das alles war nichts im Vergleich zu meiner Freude, dein Ehemann zu werden.

Ich konnte es nicht erwarten, dich zu Mrs. D'Ambrosio zu machen.

Hier waren wir nun, zwei Teenager, die sich acht Jahre zuvor an der Strandpromenade kennengelernt hatten. Ohne jede Ahnung vom Leben, der Liebe und wohin es uns tragen würde. Wir hatten endlich diesen Tag geschaffen. Wir hatten unsere Leben, unsere Karrieren, unser Haus aufgebaut, jetzt wurde es Zeit, eine Familie aufzubauen.

Ich trat an den Altar und wartete auf dich. Mein Herz war erfüllt von so vielen Gefühlen, aber alles, was ich wollte, war deine Hand für den Rest meines Lebens zu halten.

Als sich dann diese Türen öffneten, kam alle Träume, Wünsche und Gebete, die ich jemals hatte, direkt auf mich zugelaufen, noch schöner, als ich es mir je hätte ausmalen können.

Du warst meine beste Freundin. Ich wollte so viel mehr für uns beide.

Manchmal müssen wir jedoch das Unerwartete akzeptieren.

Unsere Welt muss auseinander brechen, damit wir sie wieder so zusammensetzten können, wie sie gehört.

Für mich gibt es nichts Wichtigeres als dein Glück und zu wissen, dass du das hast, was für mich die Welt bedeutet. Unsere Leben haben verschiedene Wege eingeschlagen, das kann mir jedoch nie die Erinnerungen nehmen, die wir teilen.

Wie es mir geht? Ich bin glücklich. Ich habe Frieden gefunden. Ich habe in der Arbeit mehr als jemals zuvor zu tun, ich habe mit dem Schreiben eine neue Leidenschaft entdeckt und setze ein Leben wieder zusammen, das einst in eine Million Stücke zersprungen war.

Ich träume immer noch davon, einmal eine Familie zu haben. Ich träume immer noch davon, mein eigenes Kind zu halten. Natürlich träume ich immer noch davon, mich zu verlieben und mein wahres Glück zu finden.

Ich bin so ziemlich immer noch der gleiche Anthony, den du kanntest, nur ziemlich anders.

Zu viele Menschen leben mit Hass in dieser Welt. Dieselben Menschen leben auch mit Wut und Angst.

Ich bin nicht einer dieser Menschen.

Ich bin enttäuscht, dass wir unser Märchen nicht zu Ende geschrieben haben, aber ich werde niemals wütend sein. Ich werde dich niemals hassen und ich werde niemals unehrlich in Bezug auf meine Gefühle sein.

Gott gab mir diese großartige Möglichkeit zu lieben. Das hat mich an so viele wunderschöne Orte gebracht, hat mich so viel über das Leben gelehrt und mir Erinnerungen gebracht, die ich für immer schätzen werde. Wieso sollte ich darüber wütend sein?

An deine Eltern, Geschwister, Großeltern und Onkel und Tanten - sag ihnen ich habe sie immer geliebt, als wären sie meine eignen und es tut mir leid, wenn ich ihre Erwartungen nie erfüllt habe. Ich wusste, wie sehr sie dich lieben. Ich wusste, was für einen Mann sie sich für dich wünschten und Gott weiß, ich habe alles getan, um genau dieser Mann zu sein.

Und schließlich zu dir - mir tut alles leid, was ich jemals getan habe, was dich verletzt hat. Ich wollte nie irgendetwas mehr, als dich für immer an meiner Seite zu haben und irgendwann unseren eigenen kleinen Schatz zu haben, der uns auf der Reise begleiten würde.

Alles, was ich in meinem Leben getan habe, tat ich, um sicher zu gehen, dass deines so sein würde, wie du es dir gewünscht hast. Ich wollte dir die Welt zu Füßen legen.

Leider habe ich das nicht geschafft.

Hätte ich gewusst, was ich jetzt weiß, hätte ich dich bei unserem ersten Tanz fester gehalten und ein Lied gewählt, das niemals endet.

Ich bin nicht perfekt und ich wollte auch nie, dass Leute das von mir denken. Ich habe Fehler gemacht. Ich habe Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin und ich habe Entscheidungen getroffen, die ich am liebsten rückgängig machen würde.

Aber ich habe jemanden mit jedem Knochen in meinem Körper geliebt, mit jedem Schlag meines Herzens und jedem Millimeter meiner Seele. Es war nicht perfekt, aber ich bin sicher, ich habe mit allem, was ich hatte, geliebt. Ich habe so geliebt, dass dein Glück auch das meine war. Und dafür bin ich dankbar.

Ich habe dir einmal gesagt, ich wünschte, ich könnte in Worte fassen, wie sehr ich dich liebe und es mit der ganzen Welt teilen. Das ist mein bester Versuch, dieses Versprechen einzuhalten.

Dich zu verlieren, war zwar die schmerzhafteste Erfahrung meines Lebens, aber es hat mich stärker als je zuvor gemacht. Irgendwie hat es das Leben echter gemacht.

Während ich auf dem Papier nur meine Ehefrau verloren habe, habe ich in der Realität viel mehr verloren.

Ich habe ein Stück von mir verloren, dass ich nie zurückkriegen werde.

Pass gut darauf auf.

Nur das Beste,

Anthony

Dieser Post erschien zuerst auf AJD Publications.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde aus dem Englischen übersetzt von Nina Damsch.

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