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Phytohormone und Kosmetik

Veröffentlicht: Aktualisiert:
COSMETIC
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Hormone regulieren unsere Körperfunktionen ein Leben lang. Auch auf die Haut haben sie Einfluss. Da Hormone aber systemisch wirken, ist ihre Anwendung in der Kosmetik verboten. Auf der Suche nach hormonähnlich wirkenden Stoffen wurde man bei Pflanzen fündig.

Phytohormone werden in zahlreichen Gesichtscremes für die reife Haut verwendet und sollen das Erscheinungsbild der reifen Haut verjüngen. Eingesetzt werden Phytohormone in der Kosmetik meistens als Extrakt sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe.

Pflanzen mit hohen Gehalt an Phytohormonen sind Soja (Glycine Soja), Hopfen (Humulus lupulus), Rotklee (Trifolium pratense) Weiße Lupine ( Lupinus Albus), Granatapfel (Punica Granatum) oder Yamswurzel (Dioscorea Villosa Extract). Sie werden häufig in der Kosmetik als wirksame pflanzliche Anti-Ageing Wirkstoffe eingesetzt.

Phytohormone

Phytohormone sind in Pflanzen vorkommende pflanzliche Hormone und gehören zu den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Die Phytohormone regulieren in den Pflanzen ihr Wachstum, ihre Entwicklung und weitere wichtige biochemische Vorgänge. Als Botenstoffe können sie Wachstumsprozesse der Pflanze stimulieren oder hemmen und regulieren auf diese Weise die Entwicklung von Sprösslingen, Wurzeln, Blättern, Blüten und Samen.

Pflanzliche Hormone wirken somit in Pflanzen ähnlich wie menschliche Hormone bei Menschen. Als Phytohormone, Pflanzeninhaltsstoffe mit einer Wirkung bei Menschen, werden sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe bezeichnet, ohne dass Ihnen die spezielle Aufgabe in den Pflanzen zukommt.

Phytoöstrogene

Phytohormone mit östrogenähnlicher Wirkung auf Menschen werden Phytoöstrogene genannt. Die östrogenähnliche Wirkung ist jedoch schwächer ausgeprägt als die Wirkung des menschlichen Östrogens.

Vom Kleinkind über die Pubertät und Menopause bis hin ins hohe Alter verändern sich die Mengen der vom Körper produzierten Hormone und ihre Verhältnisse untereinander - verbunden mit entsprechenden Einflüssen auf die Haut. Zur Entfaltung ihrer Wirkung benötigen Hormone im Körper einen Rezeptor, vergleichbar mit einem Schloss, das mit einem Schlüssel (Hormon) geöffnet wird.

Auf der Suche nach hormonähnlichen Schlüsseln ist man bei speziellen Pflanzeninhaltsstoffen fündig geworden. Man nennt diese Stoffe daher auch Phytohormone (phyton, griechisch: Pflanze). Sie haben, da der Schlüssel nicht exakt passt, zwar eine Hormonwirkung, die jedoch schwächer ist als die der menschlichen Hormone. So binden die pflanzlichen Isoflavone, Lignane und Coumestane an Hormon-Rezeptoren.

Obwohl Isoflavone streng genommen zu den Stoffen mit östrogener Wirksamkeit gehören, werden sie vom Gesetzgeber bisher nicht beanstandet. Man nennt sie dementsprechend auch Phytoöstrogene. Die aktive Wirkung von Phytohormonen beruht zum Teil auf der Bindung z.B. von Isoflavonen, einer Untergruppe der Phytoöstrogene, an Estradiol-Rezeptoren. Sie beeinflussen Vorgänge im Körper und in der Haut, die mit Östrogenen in Zusammenhang stehen.

Verjüngtes Hautbild

Bei äußerlicher Anwendung mit Cremes mit Phytohormonen wird die Hyaluronsäuresynthese stimuliert, die Kollagensynthese und die Zellneubildung werden angeregt und der Kollagenabbau in der Haut wird deutlich verlangsamt. Dies sind anti-aging Effekte, die der negativen Auswirkung von Östrogenmangel (zum Beispiel in der Menopause) entgegenwirken. Auch auf die Neubildung von Bindegewebesubstanzen und Unterhautfettgewebe haben die Pflanzenöstrogene eine positive Wirkung, weshalb man sie oft in Produkten zur Reduzierung von Cellulite ebenso findet wie in Cremes zur Bruststraffung.

Insbesondere die thailändische Kletterpflanze Pueraria Mirifica, die auch als Kwao kreu khao bekannt ist, wird für den letztgenannten Zweck in letzter Zeit vermehrt auch in der westlichen Welt in der Hautpflege und als Nahrungsergänzung verstärkt genutzt. Nach aktuellem Kenntnisstand gilt sie als die einzige Pflanze, deren Phytoöstrogene bio-identisch mit dem vom menschlichen Körper produzierten Östrogen sind.

Da es bei dermatologischen Präparaten mit Östrogenen nach wie vor einen Boom gibt, ist zu erwarten, dass auch die Anwendung von Phytoöstrogenen im Bereich der Hautpflege ihre Aktualität behält und weitere Erkenntnisse folgen werden.