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Viele behaupten, die Schule werde immer einfacher - das sage ich als Neuntklässlerin dazu

18/04/2017 10:02 CEST | Aktualisiert 18/04/2017 10:02 CEST
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Die Schule wird angeblich immer leichter. Das sagen mir zumindest viele Menschen, zum Beispiel meine Eltern.

Ihrer Meinung nach kommen wir Schüler einfacher an gute Noten als früher, während unsere Rechtschreibung immer schlechter wird. Und das, obwohl wir doch angeblich so viel Unterstützung beim Lernen erhalten.

Ich finde nicht, dass die Schule einfach ist. Ich gehe in die neunte Klasse einer Münchner Realschule und muss mir viel Wissen in kurzer Zeit aneignen, immer aufmerksam in der Klasse sitzen und mir dann auch noch besserwisserische Lerntipps von den Lehrern anhören.

Dabei sind diese Tipps in Wahrheit auch nicht besser als die, die wir schon in der Grundschule bekommen haben.

Und das ist noch nicht alles.

Die Lehrer verlangen zu viel von uns

Wir schreiben eine Ex nach der anderen. Eine Ex ist eine Klassenarbeit, die nicht angekündigt wird und die Themen der vergangenen Schulstunden behandelt. Allein in einem Jahr haben wir 12 davon geschrieben.

Der Lehrer darf diese Arbeiten jede zweite Stunde schreiben, was viele Lehrer mit Begeisterung tun. Auch die Maßstäbe in diesen Arbeiten sind meist ziemlich hoch.

In manchen Arbeiten geben die Lehrer, wenn nur ein Punkt weniger als die Vollpunktzahl erreicht wurde, schon eine ganze Note schlechter.

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Fallen diese Arbeiten insgesamt schlecht aus, brechen die Lehrer in große Panik aus. Selbst dann, wenn eine Note für die Schüler eigentlich gut ist, weil sie für einen persönlich einen Fortschritt bedeutet.

Angeblich können wir keine Rechtschreibung mehr - dabei stimmt das gar nicht

Heiß diskutiert wird auch die Rechtschreibung. Unsere Lehrer beschweren sich, dass sich unsere Rechtschreibung drastisch verschlechtert hätte. Das stimmt aber nicht.

Und wenn es ihrer Meinung nach so ist: Warum üben es die Lehrer dann nicht mit uns?

Anstatt, dass wir Rechtschreibung in der Schule üben, gehen wir mit unseren Lehrern ins Theater oder lesen viel zu lange Texte.

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Und wenn wir selbst Texte schreiben, dann schreiben wir sie fast immer am Computer, dessen Rechtschreibprogramm unsere Fehler automatisch verbessert.

So lernen wir natürlich nicht aus unseren Fehlern.

Hinzu kommt, dass ständig der Unterricht für viele Wochen ausfällt. Unser Arbeitsauftrag lautet dann: "Bitte lest Seite x bis y und wisst alles, bis ich wieder da bin."

Wie soll das gehen?

Die Hausaufgaben sind zu viel für eine zu kurze Zeit

Die Zeit, die wir für all die Hausaufgaben bekommen, ist viel zu kurz, um alles erledigen zu können. Die meisten Hausaufgaben sind sehr zeitaufwendig.

Viele von uns müssen ihre Hausaufgaben in Ganztagsschulen unter einer Aufsicht erledigen. Diese Aufsicht, im Normalfall ein Lehrer, ist meistens völlig überarbeitet.

Deshalb stört es ihn selten, wenn es im Raum laut ist. Sich dabei noch zu konzentrieren, ist kaum möglich. Wenn man dann doch mal Hilfe braucht, stupst man lieber den Nachbarn an, als den genervten und hektisch korrigierenden Lehrer am Pult zu fragen.

Wie ihr seht: Die Schule ist nicht einfacher geworden. Es hat sich zwar viel verändert, aber nicht unbedingt zum Besseren. Das ist die Wahrheit.

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(lk)

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