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Sex sells: Insider-Report einer Erotik-Autorin

30/04/2015 09:54 CEST | Aktualisiert 30/06/2015 11:12 CEST
Thinkstock

Sex sells. Was in der Foto- und Filmindustrie seit Jahrzehnten völlig normal ist, war in der Welt der Bücher lange Zeit verpönt. Heimlich unter der Bettdecke hat man Groschenromane und Schundliteratur gelesen, aber niemand hätte das je zugegeben. Dann kam E.L. James' Shades of Grey und ein ganzes Genre ist aus dem Stiefkinddasein entwachsen.

Erotikromane. Sexy Liebesromane. Hausfrauenpornos. Man kann sie bezeichnen, wie man will. Eines ist klar: Sie sind gekommen, um zu bleiben. Fifty Shades war nur der Anfang, E.L. James hat den Weg bereitet für viele Autor*innen, die nun ihre sexy Texte veröffentlichen können, ohne schief angeschaut zu werden. Sex sells. Auch in Buchform.

Dank Fifty Shades raus aus der Schmuddelecke

Es brauchte einen Knall, um dieses Genre zu etablieren. Ein bisschen ausführlicherer Blümchensex hätte nicht ausgereicht, um die erotische Literatur aus der Schmuddelecke zu holen. Es musste ein Tabu sein, aber so interessant, dass sich viele zumindest latent dafür begeistern können. Durch Fifty Shades war BDSM plötzlich in aller Munde.

Seitdem ist über viele Themen geschrieben worden, die es vorher nie aufs öffentliche Tableau geschafft hätten. Und das zu recht! Autor*innen werden mutiger, schreiben über vormals verpönte Bereiche des Sexlebens, eröffnen neue Welten in der zwischenmenschlichen Interaktion.

Wer liest erotische Bücher?

Sex gehört zum normalen Leben dazu, wie ausgefallen oder auch nicht entscheidet jeder für sich selbst, aber es ist nichts, was beschämen muss. Ebenso wenig ist es die Literatur, die diesen beschreibt.

Es sind hauptsächlich Frauen, die erotische Romane lesen. Aber es sind nicht die einsamen, alten Jungfern, die nur so ihre eigenen Bedürfnisse ausleben können, sondern Frauen jedes Alters, jeder Professur, jedes Hintergrunds, in festen Beziehungen oder Single, verheiratet, Mütter, Großmütter, junge Frauen. Und ein paar Männer, die dazu stehen, dass es auch sie nicht kalt lässt, Geschichten über Sex zu lesen.

Erotica zeigen jede Facette - auch die sexuelle

Im Grunde ist das Erotikgenre nicht anders als das Romantikgenre. Die erfolgreichsten Bücher dieser Sparte machen es vor: Mann trifft Frau, es gibt Probleme und dann gibt es ein Happyend. Es ist nicht anders, nur weil sie auch Sex haben. Wie meine Kollegin A. J. Blue mal gesagt hat, zeigen erotische Romane eben jede Facette - auch die körperliche - einer Liebesgeschichte. Sie sind keine Pornografie, sondern zeigen alles, was Frauen und Männern heutzutage in einer Beziehung wichtig ist: Vertrauen und Treue, Freundschaft und Liebe, Sex und Spaß.

Es gibt keine allgemeine Formel, was funktioniert, aber es scheint doch so zu sein, dass vor allem außergewöhnlichere Themen für viel Furore sorgen, seien es BDSM oder Polyamorie, seien es kontroverse Berufe wie Stripperin, Prostituierte und Co. Vielleicht macht ein Blick auf etwas, das von der Öffentlichkeit als Tabu angesehen wird, den besonderen Reiz aus.

Heimlich lesen - in aller Öffentlichkeit

Aber es sind nicht nur Christian Grey und Anastasia Steele, die uns Autor*innen den Weg bereitet haben. Auch die technische Erneuerung des Buchmarkts spielt uns in die Karten: Durch Kindle und Co. ist es nun möglich, quasi anonym seiner geheimen Leidenschaft zu frönen. Man muss nicht mehr in die Buchhandlung seines Vertrauens gehen und fragen, wo es denn das neue Buch von Katelyn Faith gibt, man kann ganz einfach online klicken und hat es in Sekundenschnelle auf dem Reader.

Sex'n'Selfpublishing

Ein weiterer Vorteil ist der steigende Stern des Selfpublishings. Viele Bücher, die heute erfolgreich sind, wären wahrscheinlich niemals von einem Verlag veröffentlicht worden. Wer hätte je gedacht, dass Twilight-Fanfiction sich so gut verkaufen lässt?

Auch für die Leser*innen hat dies einen Vorteil. Da wir Indie-Autor*innen selbst für unser Marketing sorgen müssen, sind wir ansprechbar und lesernah. Wir lassen uns stundenlang von Facebook ablenken, antworten auf Mails und denken uns immer wieder neue Aktionen aus, um Leser*innen zu binden. Schöne neue Welt, in der die Lieblingsautorin zur Facebook-Freundin wird, die uns sogar zum Geburtstag gratuliert!

Hart umkämpfter Markt

Social Media ist nicht nur wichtig für den Kontakt zu unseren Leser*innen, auch um sich mit Kolleg*innen auszutauschen. Der Wettbewerb in jedem Genre ist hart, aber in der Liebesroman- und Erotiksparte scheint er umkämpfter zu sein, weil es einfach unglaublich viele Autor*innen gibt, die hier ihr Glück versuchen.

Allerdings wird meist eines übersehen: Bücher sind keine Autos. Wenn wir eines haben, reicht das nicht für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Je mehr Bücher gekauft werden, desto besser für uns alle. Wir sind Kolleg*innen, keine Konkurrent*innen. Schreiben ist ein einsamer Beruf, wir sollten ihn nicht noch einsamer machen.

Der Markt ist noch lange nicht gesättigt. Je mehr Menschen wir davon überzeugen können, überhaupt zu lesen, desto größer wird er, für jedes Genre und für jede Menge Autor*innen. Gerade auch für diese Sparte. Die Erotik steckt vielfach noch in den Kinderschuhen, es gab sie schon immer, aber erst jetzt scheint sie ihr volles Potential zu entfalten. Fifty Shades sei Dank.

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Mehr zu Annie Stone und ihren Büchern auf anniestoneblog.com.

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