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Rezension zu "Wer's findet, dem gehört's" von David Sedaris

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Das Buch besteht aus Tagebuch-Auszügen des Autors, die im September 1977 kurz vor seinem 21. Geburtstag beginnen und im Dezember 2002 enden.

Die von ihm selbst ausgewählten Einträge werfen Schlaglichter auf Sedaris´ Leben, der in Raleigh (North Carolina) aufwächst, früh mit dem Drogenkonsum beginnt, die Schule abbricht und sich mit Gelegenheitsjobs, die immer nur kurze Zeit dauern, über Wasser hält.

Nach eigener Aussage waren die Jahre zwischen 1977 und 1983 seine trostlosesten.

Erst mit dem Umzug 1984 nach Chicago fühlt er sich besser, freier und blickt optimistischer in die Zukunft. Am Art Institute of Chicago schließt er nach einer nicht unproblematischen Zeit erfolgreich sein Kunststudium ab.

1990 geht David Sedaris nach New York City, wo er u.a. im Kaufhaus "Macy´s" als Weihnachtself jobbt. Seine Erfahrungen verarbeitet er in einem Essay. Es wird im Radio gesendet, und es folgen weitere Veröffentlichungen von Essays, Kurzgeschichten und Romanen.

Acht Jahre später zieht er mit seinem Lebenspartner Hugh nach Paris, wo er alle erdenklichen Anstrengungen unternimmt, Französisch zu lernen. Beruflich wächst sein Erfolg langsam, er macht sich einen Namen als Journalist, arbeitet u.a. bei BBC Radio 4 und bekommt Auszeichnungen vom "Time Magazine" als "Humorist of the Year" und den James-Thurber-Preis für Amerikanischen Humor.

Heute lebt David Sedaris in England, schreibt für den "New Yorker" und hat etliche Bestseller veröffentlicht.

Seine Tagebuch-Notizen handeln u.a. von
• seiner Familie, Freunden, Bekannten, Nachbarn und seiner Katze,
• Beobachtungen, die er auf der Straße, als regelmäßiger Besucher im IHOP (International House of Pancakes) und in öffentlichen Verkehrsmitteln macht,
• Zufallsbegegnungen,
• aufgeschnappten Unterhaltungen und Dingen, die andere ihm erzählt haben,
• seinem Leben als Student,
• seinen Erfahrungen als Leiter eines Schreibseminars am Art Institut of Chicago,
• seiner Homosexualität und diversen Sexualpartnern.

Er kommentiert Radio- und Fernsehsendungen sowie Zeitungsartikel, hat Rezepte und Witze aufgeschrieben.

Resümee:
Dies ist ein ungewöhnliches Buch, in dem David Sedaris sehr persönliche Einblicke in sein Leben gibt. Er hat die Textauswahl aus einem riesigen Stapel von Tagebüchern selbst getroffen - insgesamt umfassen die regelmäßig niedergeschriebenen Notizen 40 Jahre in 156 Bänden. Nach den in diesem Buch geschilderten 25 Jahren soll ein Folgeband über die Jahre 2003 bis 2017 folgen.

Der Autor hat alles zu Papier gebracht, was ihn interessiert oder was er beobachtet hat und was ihm aufgefallen ist. Das Besondere ist der Unterschied zu gängigen Tagebuch-Aufzeichnungen:
Er berichtet und beschreibt mehr, als dass er über seine Gefühle schreibt - subjektiv gefärbte Sachlichkeit statt Emotionalität.

Das breite Themenspektrum lässt ein facettenreiches Bild von Sedaris´ Leben und seinem Wesen entstehen. Deutlich wird dabei seine Entwicklung während der verschiedenen Lebensphasen in Raleigh, Chicago, New York und Paris.

Wie er selbst sagt, muss man dieses Buch aber nicht unbedingt kontinuierlich von Anfang bis Ende lesen, sondern kann nach dem Zufallsprinzip beliebige Stellen aufschlagen. Das hat evtl. den Vorteil, dass sich durch die Konzentration auf diese aus dem Gesamtzusammenhang gerissenen Passagen der oft hintergründige Witz und Humor dann besonders deutlich offenbart und zur Reflexion anregt.

Der Titel geht übrigens auf ein Erlebnis mit einer Freundin zurück:
Sedaris hatte einmal einen Geldschein von relativ niedrigem Wert gefunden und behalten. Die Freundin klärte ihn auf, dass es in Großbritannien als Fundunterschlagung gilt, wenn jemand etwas Wertvolles findet und behält; bei einem so geringen Betrag könne man aber wohl großzügig darüber hinwegsehen.

Fazit: ein ungewöhnliches, sehr lesenswertes Buch

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