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Rezension zu "Verrat: Sieben Verbrechen an der Liebe" von Jessica Schulte am Hülse

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Das Buch enthält sieben Erzählungen zum Thema Liebe. Gemeinsam ist allen ihr unglückliches Ende - was als hoffnungsvolle und zukunftsorientierte Beziehung begann,liegt in Scherben oder endet gar in einem Albtraum:

1. Vorbildliches Doppelleben
So richtig glücklich ist Steffi in ihrer Beziehung zu dem Chirurgen Markus von Anfang an nicht gewesen, dennoch hatte sie gute Gründe, ihn zu heiraten. Doch ihr Zusammenleben wird immer mehr von seinen Regeln und seiner emotionslosen Pedanterie bestimmt. Als Steffi nach längerer Auszeit ihren Beruf als Stewardess wieder aufnimmt, kann sie sich seiner Kontrolle entziehen und ein Doppelleben organanisieren - bis Markus sie zu ihrem dritten Hochzeitstag überraschen will.

2. Herztaktlos
Die Liebesgeschichte zwischen Sebastian und Marie beginnt wie ein Traum. Ein Jahr lang läuft alles perfekt, dann spürt Sebastian zum ersten Mal Eifersucht auf Maries Zwillingsschwester. Immer mehr fühlt er sich als lästiges Anhängsel. Die Katastrophe beginnt, als er bei einem Experiment komplett versagt.

3. Kuckucksvater
Seit Jana (31) von München nach Leverkusen gezogen ist, ist sie einsam. Das soll sich ändern, als Svenja sie eines Abends kurzentschlossen in einem Online-Datingprotal anmeldet. Als Jana tatsächlich schon kurz darauf den Architekten Michael kennenlernt, ist es um sie geschehen. Ihr Leben ändert sich von Grund auf, als er wenig später bei ihr einzieht.

4. Bei Trennung Mord
Bis zu ihrem 8. Lebensjahr hat Sabiha eine glückliche Kindheit in einem ostanatolischen Dorf verbracht. Dann zieht die Familie nach Köln, und es geht nur noch in den Sommerferien in die alte Heimat. Sabiha besteht ihr Abitur glänzend und will Jura studieren. Da Onkel Ali, der beste Freund ihres Vaters, ein angesehener Frankfurter Jurist ist, bietet er ihr ein Praktikum in seiner Kanzlei an. Sie ahnt nicht, welche dramatische Wende eingeleitet wird, als sie das Angebot annimmt.

5. Flucht
Der Weg aus der DDR in die Freiheit beginnt für die 18-jährige Ulrike im Versteck hinter dem Kofferraum von Klaus' altem Mercedes. Im Westen angekommen, verwandelt sie sich in die Jüdin Rachel, verleugnet ihre Familie, heiratet und bekommt eine Tochter. Nach vielen Jahren klingelt ein Mann an der Wohnungstür, der sich als ihr Bruder ausgibt.

6. Die Andere
Kathrin geht in ihrem Beruf als Ärztin auf, sie hat einen guten Ruf und die Praxis läuft prima. Als eines Tages die ihr unbekannte Candice Carlsen aus Florida in der Sprechstunde auftaucht, kann Kathrin einfach nicht glauben, was die Frau ihr erzählt. Doch sie muss den ungeheuerlichen Tatsachen ins Auge sehen.

7. Kopfurlaub
Jenny weiß, dass sie ihren untreuen, verlogenen Ehemann um des eigenen Selbstwertgefühls willen schon längst hätte verlassen müssen. Stattdessen akzeptiert sie immer wieder, was er ihr antut - Kokain hilft ihr über den Alltag. Nach einem Selbstmordversuch ist sie froh, in der Psychiatrie untergebracht zu werden. Sie denkt über ihr Leben nach und fasst einen Entschluss.

Resümee:

Die Geschichten dieser Anthologie erzählen von der Liebe - oder der Sehnsucht nach ihr - und ihr Scheitern durch eine Form von Verrat. Nach einem manchmal euphorischen, manchmal romantischen oder auch pragmatischen Beginn der Beziehung stehen am Ende Enttäuschung, der Verlust von Vertrauen und Geborgenheit.

Es geht auch darum, was die Betroffenen um der (vermeintlichen) Liebe willen auf sich nehmen, wie sie oft kämpfen und leiden. Der Leser erlebt Menschliches, erfährt von Verletzungen, Obsessionen, Täuschungen und schaut in unvorstellbare Abgründe.

Oft fragt man sich, warum die Protagonisten sich überhaupt auf den betreffenden Partner eingelassen haben und erst recht, warum sie den Ausstieg aus der desolaten Beziehung nicht viel eher geschafft haben. War es die allgegenwärtige Hoffnung auf Besserung, die Sehnsucht nach einem "Nest", die Angst vor dem Alleinsein, die Sorge um die Kinder? Oder hat die Liebe sie blind gemacht?

Wie geht man nach dem Scheitern der Liebe, nach einem Verrat, mit der Situation um? Schottet man sich ab und wird vielleicht sogar depressiv, sagt man "nie wieder" oder sieht man das Erlebte als Erfahrung, aus der man gestärkt hervorgeht?

Alle diese Fragen zu einem hoch emotionalen Thema sind rational nicht zu beantworten.

Die Erzählungen sind inhaltlich sehr unterschiedlich, jede für sich so komplex und facettenreich wie die Liebe, wie Partnerschaften an sich. Jessica Schulte am Hülse hat es verstanden, sie trotz des jeweils negativen Ausgangs so zu schreiben, dass nichts von dem Ernst verloren geht, sie zum Nachdenken anregen, aber sie dennoch unterhaltsam sind.

Fazit: Eine Sammlung, bei der die Mischung aus ernsthafter Schilderung der Problematik und Unterhaltung prima gelungen ist.

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