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Rezension zu "Vergeben und Vergessen" von Robin Armstrong

10/10/2017 09:20 CEST | Aktualisiert 10/10/2017 09:20 CEST

Britta Sander arbeitet in der Aachener Privatdetektei Schniedewitz und Schniedewitz, wobei Chef Fritz sich glücklicherweise weitestgehend aus den Ermittlungen heraushält. Die übernehmen engagiert Britta und ihre Kollegen Eric, Silke und Piet. Zwischen ihnen herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre, die durch gegenseitige Sticheleien gewürzt wird.

Eines Tages wendet sich völlig aufgelöst eine gewisse Pia Hilfe suchend an Britta: Ihre Schwester Sabrina ist von einem spontanen Wochenendausflug nicht zurückgekehrt und per Handy nicht mehr erreichbar.

Als kurz darauf die Leiche der Vermissten im Bett einer Ferienwohnung gefunden wird, glauben Ehemann und Schwester nicht an die Selbstmord-Theorie.

Auch der Detektivin kommen immer mehr Zweifel, umso stärker, als sich herausstellt, dass eine Jugendfreundin von Sabrina kürzlich bei einem mysteriösen Reitunfall gestorben ist.

Doch wer hatte ein Interesse daran, die beiden Frauen zu töten?

Höchste Eile ist geboten, die Fälle aufzuklären, denn bald gibt es eine dritte Leiche.

Resümee:

Den Reiz dieses Erstlingswerks der Autorin macht vor allem das gelungene Zusammenspiel zweier Elemente aus:

Die Person Britta Sander, die das Geschehen in der Ich-Form erzählt.

Sie ist nicht auf den Mund gefallen, und ihre schlagfertigen Bemerkungen, der mit Frotzeleien gespickte Wortwechsel vor allem mit Kollege Eric und ihre kursiv gedruckten gedanklichen Kommentare reizen immer wieder zum Schmunzeln.

Auch in den misslichsten Situationen beweist die toughe, engagierte Detektivin immer noch eine gute Portion (Galgen-) Humor und kann außerdem auch noch logisch denken. Das alles macht sie zu einer sympathischen Person, die das Herz auf dem rechten Fleck hat.

Das spannende, temporeiche Geschehen, das dem Leser viel Potenzial zum Mitkombinieren bietet, wobei er immer nur genauso viel weiß wie die Detektive. Etliche zum Teil dramatische Wendungen führen immer wieder in andere Richtungen, ebenso wie neue Recherche-Ergebnisse und Informationen von außen.

Der Handlungsverlauf ist logisch entwickelt - ein Schritt bzw. Gedankengang ergibt sich folgerichtig aus dem jeweils aktuellen Kenntnisstand. An einer Stelle geht es dem Leser wie Britta Sander: Der Täter wird auf dem sprichwörtlichen Silbertablett präsentiert, ohne dass man es merkt - Hut ab!

Einige Stränge sind so angelegt, dass sie in Folgebänden gut weiterentwickelt werden könnten - soweit ich weiß, ist ein neuer Britta-Sander-Fall bereits geplant. Ich freue mich darauf.

Der Schreibstil ist angenehm locker, und die sehr unterschiedlichen und zum Teil erfrischend speziellen Charaktere wurden gut herausgearbeitet.

Insider werden sicher viele Aachener Örtlichkeiten wiedererkennen.

Ein einziger Wermutstropfen sei nicht unerwähnt gelassen: Es gibt leider eine relativ hohe Zahl an Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und anderen Fehlern in dem Buch.

Fazit: ein Krimi, der sich durch den gelungenen Mix aus Spannung, Humor, markanten Charakteren und flottem Schreibstil auszeichnet und vom gängigen Schema wohltuend abweicht.

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