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Rezension zu "Und draußen stirbt ein Vogel" von Sabine Thiesler

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Die renommierte Autorin Rina Kramer befindet sich auf der letzten Etappe ihrer Lesereise. Wie immer befindet sich Manuel Gelting unter den Zuhörern - aber auch dieses Mal wird Rina ihn nicht sehen. Doch der Mann ist kein Bewunderer der Schriftstellerin, sondern hasst sie aus tiefstem Herzen!

Er ist nämlich fest davon überzeugt, dass Rina Kramer sein Leben zerstört hat, weil sie seine Ideen geraubt, seine Gedanken veröffentlicht hat.

Nach diesem letzten Auftritt kehrt die Autorin in ihr idyllisch gelegenes Anwesen in der Toskana zurück. Manuel folgt ihr, steht kurz darauf an ihrem Tor und gibt sich als Urlauber aus, der die dem Landhaus angegliederte Ferienvilla der Kramers mieten möchte.

Da Rina und ihr 11-jähriger Sohn gerade alleine und keine Gäste angemeldet sind, außerdem Ablenkung willkommen und der Fremde sympathisch ist, willigt sie ein.

Doch schon bald kommt ihr Manuels Verhalten immer eigenartiger vor. Ihr zunehmend ungutes Gefühl schlägt bald in Angst um, aber als sie realisiert, in welcher Gefahr sie und ihr Sohn sich wirklich befinden, ist es bereits zu spät.

Resümee:
Was für ein Pageturner! Bis ganz zum Schluss wird die Spannung konstant hoch gehalten - und selbst da, als man schon an ein gutes Ende glaubt, jagt die Autorin einem noch ein letztes Mal einen eiskalten Schauer den Rücken hinunter.

Zur Dramatik trägt zum einen bei, dass das Geschehen abwechselnd aus der Sicht von Rina Kramer und Manuel Gelting erzählt wird, zum anderen wird sie auch durch die verschiedenen Erzählstränge maßgeblich gefördert:

Folgerichtig dreht sich ein Teil der Handlung um Rina und ihre Familie, ein anderer um Manuel und sein Leben. Zusätzlich gibt es noch etliche Szenen, die sich schwerpunktmäßig mit Pater Johannes sowie dem rumänischen Arbeiter Dragos Badi beschäftigen. Außerdem erwartet den Leser ein Wiedersehen mit dem bereits aus anderen Romanen der Autorin bekannten Commissario Donato Neri aus Ambra.

Dabei fragt man sich immer wieder, welche Verknüpfungen es letztlich wohl zwischen den einzelnen Ebenen geben mag. Doch es fügt sich schließlich alles logisch ineinander.

Schaurig ist es mitzuerleben, wie sich der anfangs auf Rina recht sympathisch wirkende Manuel Gelting nach und nach zu einem gefährlichen Monster entwickelt. Durch die Anlage des Thrillers hat der Leser häufig einen Informationsvorsprung und hofft, dass die Autorin ihren Gast durchschaut, das Ausmaß der Gefahr, die von ihm für sie und ihren Sohn ausgeht, erkennt und entsprechend reagiert.

Schauplätze und Akteure sind wie immer in den Romanen von Sabine Thiesler wieder hervorragend beschrieben bzw. herausgearbeitet.

Der Titel des vorliegenden Buches ist identisch mit dem, den Manuel Gelting seinerzeit für sein Manuskript gewählt hatte, das allerdings zugunsten von Rina Kramers nahezu zeitgleich eingereichtem und inhaltlich sehr ähnlichem Roman-Entwurf abgelehnt wurde.
Später will er auch seinem neuen Werk diesen Titel geben, doch letztlich ... aber das wird hier nicht verraten.
Das Vogelmotiv durchzieht im Übrigen den gesamten Thriller.

Fazit: ein unglaublich spannender, raffiniert angelegter Thriller

275 Rezensionen von 194 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:
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