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Rezension zu "Tot überm Zaun" von Ella Dälken

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Cosma (eigentlich Renate) Pongs ist Mitte 60, schreibt leidenschaftlich gerne Detektivgeschichten und wohnt am Düsseldorfer Zoopark in einer Wohngemeinschaft mit drei anderen Ü 60-Kriminalschriftstellern und Kater Alfred.

Nur allzu gerne würde sie ihr großes kriminalistisches Wissen endlich einmal in einem wahren Mordfall unter Beweis stellen - aber zu ihrem Leidwesen sterben in Düsseldorf viel zu wenig Menschen eines unnatürlichen Todes.

Doch eines Morgens ist das Glück ihr und ihren Mitbewohnern hold:
Im benachbarten Schrebergarten liegt eine männliche Leiche.

Zuständig für den Fall ist Kriminalhauptkommissarin Paula Pongs - Cosmas Tochter. Die jedoch verbittet sich jegliche Einmischung in die Ermittlungen seitens der ihrer Meinung nach allzu ambitionierten "Rentnergang" unter Leitung ihrer Mutter.

Das beeindruckt diese jedoch überhaupt nicht, denn nichts kann sie aufhalten, den Mörder höchstpersönlich zu entlarven und zu stellen.

Resümee:
Die Ermittlungen zum Mordfall im Schrebergarten werden abwechselnd aus zwei Perspektiven geschildert:
Cosma erzählt und kommentiert das Geschehen subjektiv und sehr lebhaft in der Ich-Form, Paulas Sicht erfährt der Leser in der ruhigeren Er-Form.

Diese Konstellation zeigt bereits, dass es - wie im Untertitel bereits genannt - in erster Linie um Cosmas Aktivitäten rund um das verübte Verbrechen geht. Das hat konsequenterweise zur Folge, dass die polizeilichen Ermittlungen vergleichsweise blass bleiben.

Die Hobby-Detektive jedoch geraten von einer heiklen Situation in die andere, und man hofft, dass sie ihre Unternehmungen unbeschadet überstehen. Und natürlich kann es nicht ausbleiben, dass sie den Profis so manches Mal in die Quere kommen, was für reichlich Zündstoff sorgt.

Auch das private Mutter-Tochter-Verhältnis ist konfliktgeladen, hat Cosma doch ganz eigene Vorstellungen, wie Paulas Leben aussehen sollte.

Übermäßige Spannung darf der Leser nicht erwarten. Die Handlung wird vor allem von den sehr schillernden Charakteren getragen, die alle ihre ganz eigenen Marotten haben, die sie ausleben - seien es die Protagonisten auf Cosmas, die auf Paulas Seite oder die Schrebergärtner. Man kann sich jeden einzelnen Akteur vor seinem geistigen Auge sehr lebhaft vorstellen und erlebt das reinste Kopfkino mit viel Humor und Situationskomik.

Bei alle dem ist mir der verzwickte Kriminalfall manchmal ein wenig zu stark in den Hintergrund gerückt, zumal auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten untereinander ein zentrales Thema sind.

Fazit: ein ausgesprochen unterhaltsamer, im besten Sinne leichter Krimi
mit viel Atmosphäre, bei dem die handelnden Figuren im Mittelpunkt stehen.

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