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Rezension zu "Tiefe Stiche" von Simone van der Vlugt

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In der holländischen Stadt Alkmaar werden auf mehrere Frauen Messerattacken verübt. Die erste geschieht auf einem Supermarkt-Parkplatz, kurz darauf ist eine 16-jährige Schülerin in der Nähe der elterlichen Wohnung das Opfer, wenig später greift der Täter eine Radfahrerin bei einer Unterführung an.

Kommissarin Lois Elzinga und ihre Kollegen ermitteln mit Hochdruck, haben jedoch weder eine passable Täterbeschreibung noch eine heiße Spur.

Die drängendsten Fragen sind zunächst:
Wählt der Täter seine Opfer nach einem bestimmten Kriterium aus oder sticht er wahllos zu?
Wen wird es als nächstes treffen?
Was versuchen die Nachbarn der Schülerin zu verbergen?

Während der Recherchen gerät die Kommissarin selbst in das Visier eines Mannes, der ihr vor der Wohnung auflauert, aber das Weite sucht, als sie sich ihm nähert.
Kurz darauf wird in einem nahe gelegenen Park eine weitere Frau mit einem Messer angegriffen.

Gibt es eine Verbindung zwischen Lois Elzinga und den Frauen? Liegt diese vielleicht in Lois' Vergangenheit?

Aber wie passt die Attacke auf einen Mann, der seinen Hund spazieren führte, in das Bild?
Fragen über Fragen, deren Beantwortung den Ermittlern einfach nicht gelingen will.

Dann nimmt die Bedrohung gegenüber Lois Elzinga zu und eskaliert schließlich - aber damit kommt man der Lösung der Fälle gleichzeitig näher!

Resümee:
Das Geschehen spielt sich auf zwei Ebenen ab. Auf der einen finden die aktuellen Ereignisse rund um die Messerangriffe statt, die andere dreht sich um Lois Elzingas Familie und besteht zum Teil aus Rückblenden.

In dem Maße, in dem sich die Haupthandlung zuspitzt, werden auch die privaten Aspekte immer konkreter und dramatischer.

Der Schluss ist in Bezug auf beide Stränge, die unversehens zu einem verschmelzen, erschreckend und erschütternd. Stand mir lange Zeit Lois Elzingas Familiengeschichte viel zu stark im Vordergrund, so wurde am Ende klar, warum das unabdingbar so sein musste.

Dennoch: Trotz

• einiger Wendungen im Geschehen,
• dramatischer Szenen und Perspektivwechsel zwischen Täter und Lois sowie
• interessanter psychologischer Gesichtspunkte

kam nur mäßig Spannung auf, und lediglich der Showdown am Schluss hatte Thriller-Qualität.

Der Schreibstil der Autorin hat mir ebenso gefallen wie die Figur der Kommissarin Lois Elzinga, die klar konturiert ist und in allen Bereichen sympathisch herüberkommt.

Fazit: ein durchaus lesenswertes Buch - umso mehr mit dem Wissen, dass beide Handlungsebenen nicht losgelöst voneinander betrachtet
werden können ... was allerdings erst am Schluss deutlich wird.

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