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Rezension zu "Sprachprofiling - Grundlagen und Fallanalysen zur Forensischen Linguistik" von Raimund H. Drommel

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Prof. Dr. Raimund H. Drommel gilt als Begründer des Gebietes der forensischen Linguistik, das sich mit der sprachwissenschaftlichen Autorenschaftsbestimmung juristisch relevanter Texte befasst. Das heißt, mit wissenschaftlichen Methoden werden Erpresserbriefe, sogenannte Bekennerschreiben, Testamente, Geständnisse, Drohbriefe usw. auf sprachliche Merkmale untersucht.

Ziel ist es, ein Täterprofil zu erstellen und so den Kreis der Verfasser einzuengen oder Verdächtige zu entlasten.

Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit dem umfassenden Themenkomplex und ist - abgesehen von Einleitung und Anhang - in 5 Teile gegliedert:

Teil I schildert die Anfänge der sprachwissenschaftlichen Kriminalistik:
Vor 30 Jahren wies der Autor erstmals auf die Bedeutung und den Nutzen einer forensischen Textuntersuchung hin, die sich dank seines Engagements seitdem zu einem gerichtsverwertbaren Standard entwickelt hat.

In Teil II
wird die Debatte um den Individualstil skizziert und der Frage nachgegangen, ob es überhaupt einen "sprachlichen Fingerabdruck" gibt. Raimund H. Drommel vertritt die Auffassung, dass die Sprache eines Menschen so unverwechselbar wie sein Fingerabdruck ist. Andere wiederum halten den Individualstil für einen Mythos.

Teil III
befasst sich mit angewandter Linguistik. Es geht vor allem um die Sprache der RAF, um vergleichende Autorenschaftsbestimmung und um anonyme Angriffe von Mitarbeitern, sogenannten Innentätern.

Teil IV schildert den aktuellen Forschungsstand, geht dabei auch auf sprachpsychologische Methoden und computerlinguistische Verfahren ein.

Teil V enthält 8 authentische Fallstudien, u.a. zum Tod von Uwe Barschel.

Resümee:
Richtet sich Raimund H. Drommels Buch "Der Code des Bösen" in unterhaltsamer Form vornehmlich an den interessierten Laien, so steht bei diesem Werk eine wissenschaftlich fundierte Darlegung des umfassenden Themenkomplexes im Vordergrund. Damit stellt es an den Leser zwar einen höheren Anspruch, hat aber durch die vielen veranschaulichenden Beispiele auch einen Unterhaltungswert.

Durch die Gesamtkomposition kommen als Adressaten nicht nur bestimmte Berufsgruppen wie z.B, Kriminalisten, Juristen, Linguisten infrage, die die Möglichkeiten des Sprachprofilings nutzen (sollten), sondern es werden alle an der Thematik Interessierte angesprochen. Bei Letzteren ist ein linguistisches Basiswissen dem Verständnis sicher dienlich.

Der Autor betont, dass die Sprache eines Menschen so individuell wie sein Fingerabdruck sei, und analysiert seit ca. 30 Jahren juristisch relevante Schreiben. Sein Erfolg gibt ihm recht, denn er hat gegen viele Widerstände weltweites Renommee erlangt und das Sprachprofiling zu einem exakten, gerichtsverwertbaren Standard entwickelt. Das Buch dokumentiert diese beeindruckende Entwicklung.

Fazit: ein wissenschaftlich fundiertes Werk, das aber dennoch unterhaltsam und
spannend ist.

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