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Rezension zu "Speyerer Geheimnisse" von Kerstin Lange

04/05/2017 08:41 CEST | Aktualisiert 04/05/2017 08:41 CEST

Die Unternehmerin Ingeborg Schindler hat eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Reithalle im geschichtsträchtigen Speyerer Quartier Normand gegründet. An einer Demonstration nimmt neben Kriminaloberrat a.D. Ferdinand Weber und seiner Bekannten u.a. auch der ehemalige Soldat Hervier Aust teil - ein gebürtiger Franzose, der bei der Heirat den Namen seiner Frau angenommen hat.

Nach Ende der Veranstaltung entgeht dieser nur dank Webers schneller Reaktion knapp einem Unfall. War es ein Mordversuch? Der Verdacht drängt sich auf, denn kurz zuvor hat Aust eine suspekte Postkarte mit dem Konterfei Papst Johannes Pauls II erhalten, der einst am 4. Mai 1987 die Domstadt besuchte. Der Absender hat sie handschriftlich mit einem schwer zu deutenden Sinnspruch versehen.

Auch Ferdinand Weber bekommt so eine Karte, allerdings mit einem anderen kryptischen Vers.

Als Hervier Aust dann wirklich bei einem schweren Unfall mit Fahrerflucht stirbt, stellt der ehemalige Kriminaloberrat Nachforschungen an. Bald vermutet er einen Zusammenhang zwischen dem Papstbesuch vor 29 Jahren, bei dem er für die Sicherheitslage zuständig war, und dem Selbstmord einer jungen Frau am gleichen Tag.

Er kommt schließlich offenbar den "Speyerer Geheimnissen" sehr nahe, denn auch auf ihn wird ein Anschlag verübt.

Resümee:

Der Besuch Johannes Pauls II am 4. Mai 1987 in Speyer war damals die letzte Station seiner fünftägigen Deutschlandreise. Die Idee, dieses reale Ereignis als Grundlage für eine fiktive Handlung zu nehmen, hat Kerstin Lange hervorragend umgesetzt.

Obwohl ein eher ruhiger Krimi, ist er dennoch spannend:

Relativ früh ahnt man, wer hinter den aktuellen Vorkommnissen steckt - wobei das Warum noch weitestgehend im Dunkeln bleibt. Denn nur gelegentlich werden Rückblenden ins Jahr 1987 eingestreut, sodass der Leser immer mehr über die Beziehung einzelner Personen zueinander erfährt und sich langsam ein Bild formt, was damals wohl geschehen ist.

Doch worin steckt der Bezug zur Gegenwart? Warum hat es jemand ausgerechnet jetzt, 29 Jahre später, auf verschiedene Personen abgesehen?

Die Auflösung am Schluss ist dann sehr überraschend - es ist der Autorin bestens gelungen, durchaus im Geschehen angelegte Spuren geschickt zu tarnen. Kompliment!

Einen Reiz des Buches machen auch die Verwicklungen aus, die dadurch entstehen, dass der pensionierte Ferdinand Weber auf eigene Faust Nachforschungen anstellt, was den aktiven Beamten zum Teil gar nicht behagt und sie in Loyalitätskonflikte bringt.

Überhaupt durchziehen die Themen Loyalität und Freundschaft das gesamte Buch.

Die einzelnen Charaktere sind sehr individuell gestaltet und prima herausgearbeitet.

Für jene, denen Speyer bekannt ist, bietet das Lokalkolorit in Form von Straßennamen und real existierenden Lokalitäten einen hohen Wiedererkennungseffekt.

Fazit: ein ruhiger, aber spannender Kriminalroman mit prägnanten Charakteren.

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