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Rezension zu "Seelenrausch" von Elke Bergsma

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Dass vor einem Seniorenheim gelegentlich ein Leichenwagen hält, das ist normal.
Doch in der Residenz im ostfriesischen Hinte gibt es seit einiger Zeit überdurchschnittlich viele plötzliche Todesfälle. Dies finden jedenfalls Pfleger Daniel, seine Kollegin Swantje und auch Andy, der dort Sozialstunden ableistet.

Verabreicht etwa der von Berlin nach Hinte versetzte Dr. Roelfes den alten Leuten - vor allen jenen, die keinen Kontakt zu Angehörigen haben - noch nicht zugelassene Medikamente, die zum Tod führen? Wie Daniel weiß, war der Arzt in der Hauptstadt deswegen in Verdacht geraten, jedoch konnte ihm nichts nachgewiesen werden.

Als Hauptkommissar David Büttner und sein Assistent Sebastian Hasenkrug von der Mordkommission wegen eines erneuten Todesfalles ins Seniorenheim gerufen werden, glauben sie nicht, dass es sich hier um ein Tötungsdelikt handelt. Ihre Kollegin Sophie Reimers drängt sie jedoch hartnäckig zu Ermittlungen. Deren Tante Jurine Tamminga lebt nämlich ebenfalls in besagtem Heim und hegt ganz starke Zweifel am natürlichen Ableben ihrer lebenslustigen und nicht ernsthaft erkrankten Freundin Waltraud.

Je mehr Informationen Büttner und Hasenkrug erhalten, je mehr Ungereimtheiten sie auf die Spur kommen, desto weniger glauben auch sie schließlich an einen harmlosen Todesfall - erst recht nicht mehr, als Pfleger Daniel plötzlich spurlos verschwindet.

Resümee:
Dieser Krimi hat mir inhaltlich und stilistisch sehr gut gefallen!
Die manchmal ostfriesisch "trockenen" Dialoge und die spitzen Bemerkungen, die sich Büttner und Hasenkrug gelegentlich zuwerfen, sind herrlich!

Zahlreiche Fragen begleiten den Leser während der spannenden Lektüre:
Hängen die plötzlichen Todesfälle im Seniorenheim Hinte miteinander zusammen, was die Ursachen anbelangt oder sind sie vielmehr getrennt voneinander zu betrachten?
Handelt es sich wirklich um Tötungsdelikte und wo liegt gegebenenfalls das Motiv?
Macht Dr. Roelfes nun in Ostfriesland vielleicht das, was man ihm bereits in Berlin unterstellt hatte, aber nie nachweisen konnte, nämlich gemeinsame Sache mit der Pharma-Industrie?
Wollten eventuell einige Angehörige dem Schicksal ein wenig nachhelfen?
Oder steigern sich die Pfleger und einige Heimbewohner, allen voran Jurine Tamminga, in etwas hinein?

Während sich die Leser zusammen mit den Kommissaren bemühen, der Beantwortung dieses Fragen-Potpourris auf die Spur zu kommen, werden sie mit etlichen Theorien und Verdächtigen konfrontiert.

So spannend und zum Teil dramatisch die Handlung ist, so fehlt es ihr nicht an gelegentlichen kritischen Tönen, was die Situation alter Leute im Heim anbelangt. Gut, dass gemeinsame Unternehmungen gelegentlich Abwechslung bieten und vor allem, dass es so engagierte und besorgte Pfleger wie Daniel, Swantje und Andy gibt - oder vielleicht doch nicht?

Fazit: Dies war mein erster Krimi aus der Büttner-Hasenkrug-Reihe von Elke Bergsma, aber mit Sicherheit nicht mein letzter!

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