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Rezension zu "Schatz, schmeckt's dir nicht?" von Ella Danz

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Helene ist Anfang 40 und rundherum zufrieden mit ihrem Leben:
Zwar hat sie eine Karriere als Kunsthistorikerin der Familie zuliebe geopfert, bereut dies allerdings überhaupt nicht. Denn sie ist seit ca. 20 Jahren glücklich mit Jan, einem ambitionierten Architekten, verheiratet, hat zwei fast erwachsene Kinder und lebt in einer tollen Wohnung in Berlin - Charlottenburg.

Ihre große Leidenschaft ist das Kochen mit allem, was dazugehört. Für ihre privaten Gesellschaften mit exquisiten kulinarischen Kreationen erntet sie genauso viel Lob und Bewunderung wie für Buffets und Dinner, die sie für andere ausrichtet. Und auch bei ihrem Mann geht die Liebe durch den Magen.

So wenig wie sie selbst an ihrem perfekt eingerichteten Leben rütteln will, gedenkt sie auch nicht, dies irgendjemand anderem zu erlauben. Und Nebenbuhlerinnen auszuschalten, das ist bislang immer leicht gewesen.

Doch dann tritt Diane Blume auf den Plan: eine neue, nicht unattraktive Kollegin von Jan, ökologisch und esoterisch engagiert. Mit ihrer positiven Energie und Ausstrahlung vereinnahmt sie stets sofort die Menschen um sich herum - auch Helenes Ehemann.
Und das Schlimme: Sie ist Vegetarierin und hat in kürzester Zeit auch Jan von dieser Ernährungsform überzeugt.

Helene ist in Aufruhr! Sie kocht vor Wut!

Resümee:
Das Buch beginnt damit, dass Helene ein "Hubertuswochenende auf Schloss Warthenstein mit Jagdgesellschaft und Wildbretzubereitung" verbringt, das ihr Mann ihr zum Geburtstag geschenkt hat. Die Schilderungen der dortigen Ereignisse fand ich sehr langatmig, wusste nicht, wohin die detaillierten Beschreibungen führen sollten. Doch: "Es gab eben Dinge im Leben, deren eigentlicher Sinn und Zweck sich erst viel später offenbarte." (E-Reader, 94 %)

Genauso verhält es sich mit dem Einstieg in den Roman - vom Ende her betrachtet, handelt es sich um einen überaus genialen Schachzug! Um nicht zu spoilern, verzichte ich auf eine Begründung.

Danach steigt die Spannung langsam, aber stetig an und erreicht gegen Schluss ihren Gipfel. Dabei sind auch zwischendurch bereits einzelne kleine Höhepunkte eingebaut, auf die die Handlung mit vielen retardierenden Momenten zusteuert. Da der Leser das Unglück meist nahen sieht, hält er mit einem "Oh Nein!" oft die Luft an. Manchmal kann er sich dabei allerdings einer gewissen Schadenfreude oder eines Schmunzelns nicht erwehren.

Durch eingefügte Interviews mit Helene nahestehenden Personen wird angedeutet, dass sich ein sie betreffendes Unglück ereignen wird. Bis zum Schluss bleibt jedoch offen, was passiert.

Ella Danz hatte erkennbar Spaß beim Schreiben dieses Romans - kulinarisch hat sie sich in alle erdenkliche Richtungen ausgelebt und ist auch dem Krimi-Genre nicht ganz untreu geworden. Die einzelnen Menüs bzw. Buffets und das jeweilige Ambiente sind jedes Mal liebevoll detailliert beschrieben, die Charaktere in ihren Haupteigenschaften treffend skizziert.

Ein besonderes Schmankerl war für mich - auch dies zum Teil erst wieder rückblickend betrachtet - der Name von Helenes Gegenspielerin Diane Blume: "Diane" nach der Göttin der Jagd und "Blume" als Bezug zu ihrem Spezialgebiet, der Ökologie.

Fazit: Mit seinen Anklängen an schwarzen Humor hat mich der Roman ein wenig an den Stil von Ingrid Noll und Aarto Paasilinna ("Die Giftköchin" - sehr zu empfehlen!) erinnert, und ich habe mich alles in allem bestens unterhalten.

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