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Rezension zu "Muschelgrab" von Regine Kölpin

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Siri, Anfang 30, ist zur Beerdigung ihrer Mutter Hanna auf die Ostfriesische Insel Wangerooge gekommen, wo sie aufgewachsen ist. Im Haus der Verstorbenen findet sie einen an sie gerichteten Brief und ist geschockt: Hanna ist gar nicht ihre leibliche Mutter - deren Name ist in dem Schreiben nicht genannt -, sondern hat sie als Säugling adoptiert.

Fast zeitgleich entdecken spielende Kinder in einem alten Bunker die Leiche des Insulaners Hinnerk Heiken - er wurde ermordet.

Kommissar Rothko und sein Kollege Kraulke haben alle Hände voll zu tun:
Siri bittet sie um Hilfe bei der Suche nach ihrer leiblichen Mutter und Hinnerks Mörder muss gefunden werden.

Bald stellen die Ermittler fest, dass beide Fälle miteinander verwoben sind und ihren Ursprung in Ereignissen haben, die sich während der Schneekatastrophe im Februar 1979 auf Wangerooge zugetragen haben. Doch sie kommen mit ihren Recherchen nicht so recht voran, denn die Inselbewohner schweigen eisern.

Auch Siri will Informationen über ihre Vergangenheit sammeln und verschwindet plötzlich spurlos.

Resümee:
Den 15 Kapiteln des Krimis ist jeweils eine Kurzinformation über eine an der Nordsee zu findenden Muschelart vorangestellt, denn Muscheln (Titel!) spielen in dem Fall um Siris leibliche Mutter eine besondere Rolle.

Die Handlung ist in der Gegenwart angesiedelt, enthält aber viele Rückblenden zu den Ereignissen im Februar 1979. Der Leser rätselt erwartungsvoll mit, was sich damals in der Clique um Hinnerk Heiken zugetragen haben mag, das so gravierende Auswirkungen bis in die Gegenwart hat. Die Auflösung ist kaum zu fassen.

Der Krimi ist durchgehend spannend, denn das Geschehen entwickelt sich sukzessive immer weiter, wobei die Dramatik stetig ansteigt und in der Auflösung gegen Schluss ihren Höhepunkt erreicht. Man fragt sich, welche Personen in welcher Weise an den damaligen Vorkommnissen beteiligt waren, warum Hinnerk Heiken gerade jetzt, gut 30 Jahre später und nach dem Tod von Siris Adoptivmutter, aus dem Weg geräumt werden musste. Lebt Siris leibliche Mutter noch?

Den geschilderten Umständen entsprechend, ist die Stimmung oft düster. Dazu tragen auch die undurchschaubaren Charaktere bei. Wie immer wieder deutlich wird, lasten auf vielen Personen Gewissensbisse und menschliche Not. Einige scheinen die Last kaum (noch) tragen zu können.

Fazit: ein spannender Krimi, bei dem das Menschliche, vor allem auch menschliche Not und ihre Konsequenzen, im Mittelpunkt steht.

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