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Rezension zu "Lügennest: Promise Falls I" von Linwood Barclay

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Linwood Barclay hat die Handlung dieses Buches in Promise Falls angesiedelt, einer Kleinstadt mit ca. 30.000 Einwohnern an der Ostküste der USA. Hierher ist nach einem kurzen beruflichen Intermezzo in Boston der verwitwete Reporter David Harwood (41) mit seinem 9-jährigen Sohn wieder zurückgekehrt.

Doch die örtliche Zeitung, bei der er angestellt war, hat pleite gemacht, ein neuer Job ist nicht in Sicht, und so ist er froh, erst einmal wieder bei seinen Eltern leben zu können.

Als er eines Tages bei seiner psychisch labilen Cousine Marla vorbeischaut, hat diese einen Säugling bei sich, den sie als ihr eigenes Kind ausgibt - ein Engel habe geklingelt und ihr das Baby überreicht.

David ist geschockt, umso mehr, als er bereits beim Betreten des Hauses einen blutigen Handabdruck am Türrahmen entdeckt hat. Er will der Sache auf den Grund gehen und ahnt bald, dass ein Zusammenhang mit einem brutalen Mord besteht, der gerade in Promise Falls verübt worden ist.

Weitere Verbrechen geschehen, und nach und nach tun sich immer mehr Abgründe in der Kleinstadt auf. Die Ereignisse halten nicht nur Davids und Marlas Familien in Atem und schrecken eine Reihe anderer Einwohner auf, sondern beschäftigen auch die örtliche Polizei: Promise Falls entpuppt sich als ein wahres Lügennest (Titel).

Resümee:

Dies ist der erste Band von Linwood Barclays Promise-Falls-Trilogie - Teil II ("Lügennacht") und III ("Lügenfalle") sind auch bereits erschienen.

Wie zu vermuten, stehen der Ort und seine Bewohner im Mittelpunkt, weniger die einzelnen Opfer- und Tätertypen. Es geht um familiäre, freundschaftliche, berufliche Beziehungen, auch um Gefallen, die man jemandem tut, ohne die Tragweite dessen zu ahnen, worauf man sich einlässt. Jeder möchte nach außen eine heile Fassade bieten, jedoch ist es schwierig, in der Enge der Kleinstadt etwas verborgen zu halten. Heimlichkeiten, dunkle Machenschaften, Vertuschung, Schönfärberei sind an der Tagesordnung und machen Promise Falls zu dem, was es ist - ein "Lügennest".

Die Handlung beginnt mit einem Baby, das Marla angeblich von einem Engel gebracht worden ist, führt zu dem brutalen Mord an einer Frau und entwickelt sich durch die zutage geförderten Erkenntnisse immer mehr zu einer Lawine, die viele Einwohner mit sich reißt.

Solcherart ist der Thriller sehr vielschichtig angelegt, die einzelnen Charaktere individuell und scharf konturiert gestaltet.

Das Geschehen ist in der Er-Form geschrieben, lediglich die David Harwood betreffenden Kapitel sind in der Ich-Perspektive, also aus seiner Sicht erzählt.

Der Schluss ist offen: Die örtliche Polizei muss sich noch mit anderen Fällen befassen, die in diesem Band nicht aufgeklärt wurden. Es ist zu vermuten, dass dies in Teil II und III geschieht. Darauf lässt auch das letzte Kapitel schließen, das nur aus einem Dreizeiler besteht:
"Ich fühle mich erholt.
Bereit, weiterzumachen.
Noch so viel zu tun."

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