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Rezension zu "Kalte Freundschaft" von Simone van der Vlugt

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Die Journalistin Nadine ist 36 Jahre alt und bereits seit 5 Jahren Witwe - ihr Mann ist bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Seitdem lebt sie mit ihrer mittlerweile 16-jährigen Tochter Marielle allein im Haus, wo sie sich in ihrer Freizeit der Fertigstellung eines Buch-Manuskripts widmet.

Nach einigen gescheiterten Beziehungen lernt sie bei einem Treffen mit befreundeten Autoren den Verleger Eelco kennen. Beide verlieben sich ineinander und hoffen auf eine gemeinsame Zukunft, umso mehr, als Eelco sich auch mit Marielle gut versteht.

Durch seine Vermittlung publiziert ein Verlag sogar Nadines Buch. Sie könnte nicht glücklicher sein.

Doch einige Morde an jungen Frauen erschüttern ihren Heimatort Leiden. Als nach einer Grillparty aus Anlass der Buchveröffentlichung auch ihre Bekannte Joella einem Verbrechen zum Opfer fällt, ahnt Nadine, dass der Täter unter ihren Freunden zu suchen ist.

Ihr Verdacht erhärtet sich, als sie erfährt, dass Eelco bedroht worden ist, und ihre Tochter spurlos verschwindet.

Resümee:

Die Handlung beginnt ruhig: Man erfährt zunächst einiges über Nadines Lebenssituation als berufstätige Frau mit schriftstellerischer Ambition und alleinerziehende Mutter einer pubertierenden Tochter.

Allmählich jedoch kommt Spannung auf, steigert sich immer mehr und erreicht ihren Höhepunkt am Schluss. Diese Kontinuität ist umso bemerkenswerter, als es keine überraschenden Wendungen im klassischen Sinne gibt. Vielmehr entwickeln sich Handlung und Dramatik wie eine Lawine laufend fort - eine Aktion generiert die nächste, verhängnisvollere bis zur Eskalation am Schluss.

Ähnlich verhält es sich mit den Charakteren, die immer neue Facetten zeigen.
Einige Personen verhalten sich zunehmend suspekt, verunsichern Nadine, die bald nicht mehr weiß, wem sie noch trauen kann. Doch hätte jemand ein Mordmotiv? Ist irgendeiner darunter, der ihr Böses will? Vielleicht einer der Autorenfreunde, der ihr den Erfolg neidet? Jemand, der eifersüchtig auf ihre Beziehung zu dem Verleger Eelco ist? Welche Rolle spielen Marielles Lehrer und Nadines Chef?

Obwohl auch ich mir natürlich während der Lektüre diese Fragen gestellt habe und die Verdächtigen wechselten, war die Aufdeckung der Wahrheit für mich schließlich eine große Überraschung.

Der schnörkellose, geradlinige Schreibstil der Autorin tut der Dramatik keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die oft kurzen Sätze erzeugen beim Leser eine gespannte Erwartungshaltung bzgl. des Handlungsfortgangs.

Das Buch ist in der Er-Perspektive geschrieben, jedoch sind einige Passagen in der Ich-Form eingefügt, in denen der Täter seine Gedanken preisgibt.

Fazit:
ein spannender "Entwicklungsroman".

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