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Rezension zu "Irgendwo für immer" von Sarah Jio

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Nach 6 Jahren Ehe verlässt Emilys Mann sie wegen einer anderen Frau. Um den ersten Trennungsschmerz zu überwinden und bereit für einen Neuanfang zu sein, reist sie zu ihrer Großtante Bee nach Bainbridge Island.

Dort, auf der kleinen Insel vor Seattle, findet sie im Nachttisch ihres Zimmers ein Tagebuch aus dem Jahr 1943. Emily beginnt sofort, es zu lesen und ist gefesselt von der tragischen Liebesgeschichte, die eine junge Frau darin niedergeschrieben hat.

Offensichtlich lebte auch sie früher auf der Insel und hatte intensiveren Kontakt zu einigen einheimischen Personen. Emily beginnt, einzelnen Hinweisen, die Aufschluss über deren Identität geben könnten, nachzugehen - noch nicht ahnend, dass sie auch Teil ihres eigenen Lebens sind.

Resümee:
Dies ist ein typischer Sarah Jio-Roman, denn er enthält einige Merkmale, wie sie auch z. B. in "Brombeerwinter" (Rezension vom 4. Dez. 2014) und "Zimtsommer" (Rezension vom 22. Juli 2016) zu finden sind:

● Er spielt auf 2 Zeitebenen, die immer mehr zusammengeführt werden und schließlich miteinander verschmelzen. Das gegenwärtige Geschehen wird aus Sicht Emilys erzählt, sodass wir ihre Überlegungen und Gefühle erfahren. Die Ereignisse aus dem Jahr 1943 sind im Tagebuch aufgeschrieben, das sie liest, kommentiert und interpretiert. Die 85-jährige Bee liefert gelegentlich zusätzliche Informationen.

Auch durch Emilys eigene Recherchen erfährt man schließlich eine Familiengeschichte, deren Wurzeln in der Vergangenheit liegen, aber für die Gegenwart von Bedeutung sind.
Dabei nehmen beide Erzählstränge den Leser gefangen, denn zahlreiche überraschende Erkenntnisse und Wendungen animieren ihn zum Mitkombinieren.

● Viele Zufälle treiben das Geschehen voran. Aber was manchmal etwas konstruiert wirkt, hat mich auch bei diesem Roman nicht gestört. Das liegt im Wesentlichen daran, dass sowohl Emily als auch die Verfasserin des Tagebuchs Sympathie-Trägerinnen sind und man mit ihnen auf eine positive Entwicklung hofft. Da kommen solche "Beschleuniger" manchmal gerade recht.

● Auch die Frage, ob durch einen Ortswechsel ein Neuanfang herbeigeführt werden kann, ist in den vorgenannten Romanen der Autorin bereits thematisiert worden, und lädt auch hier zum Nachdenken ein.

Fazit: eine spannende, unterhaltsame Lektüre um eine Familiengeschichte und (Liebes-) Beziehungen.

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