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Rezension zu "Fränkische Vergeltung" von Jacqueline Lochmüller

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Als Hanno Reichert nach dem Crash gegen einen Baum tot aus seinem Auto geborgen wird, ist schnell klar, dass der Unfall nicht die Todesursache gewesen ist - hier hat eindeutig jemand kräftig nachgeholfen.

Die Bayreuther Kommissarin Benita Luengo und ihr Kollege Julius Schwarz stellen im Rahmen ihrer Nachforschungen fest, dass Hanno Reichert beileibe nicht der "gute Junge" gewesen ist, als den seine Mutter ihn hinstellt: Er hat sich unter anderem mit Stalking, Erpressung und unredlichen Maklergeschäften einige Feinde gemacht.

Während der Ermittlungen wird Benita und Julius ein weiterer Fall übertragen:
Dennis Meyer, Leiter einer Sparkassen-Filiale und Stadtrat, ist seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Die Hinweise auf ein Verbrechen verdichten sich immer mehr.

Resümee:
Die Handlung dieses Krimis lebt nicht nur von der Spannung, sondern auch von der fantastischen Ausgestaltung der unterschiedlichen Charaktere, die Jacqueline Lochmüller bis zum Schluss konsequent durchhält. Alle Personen mit ihren ganz individuellen Eigenheiten sind so wirklichkeitsgetreu zum Leben erweckt worden, dass ich so manches Mal schmunzeln oder gar auflachen musste, weil ich ihr Verhalten oder Äußerungen unmittelbar auf Menschen aus meinem Umfeld beziehen konnte.

Dies hat zur Folge, dass die einzelnen Situationen sehr lebhaft und realistisch vor dem geistigen Auge des Lesers ablaufen - das eherne Schreibprinzip des "Show, don´t tell" hat die Autorin perfekt umgesetzt.

Ganz besonders haben mir die Kommissare Benita Luengo und ihr jüngerer Kollege Julius Schwarz gefallen:
Vom Wesen her zwar recht unterschiedlich, harmonieren sie doch hervorragend miteinander, und ihre Dialoge sind dank Julius von herzerfrischender Natürlichkeit.

Spannung entsteht vor allem dadurch, dass sich nach und nach immer mehr herausstellt, dass Hanno Reichert kein unbeschriebenes Blatt gewesen ist und viele Personen ein Motiv gehabt hätten, ihn umzubringen. Mehr noch: Etliche hätten sogar Zugang zur "Tatwaffe" gehabt. Dadurch eröffnen sich stets neue, vielversprechende Fährten, die die Ermittlungen in verschiedene Richtungen lenken.

Der Schluss ist sehr überraschend und schaurig, aber absolut logisch.

Immer wieder sind Episoden aus dem nicht stressfreien Privatleben Benita Luengos in die Haupthandlung eingeflochten, ohne diese jedoch zu überlagern.

Fazit: "Fränkische Verführung", der Debütkrimi der Autorin, hat mir schon prima gefallen. Mit diesem Nachfolgewerk hat sie sich noch einmal gesteigert.

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