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Rezension zu "Fi" - Eine Geschichte aus dem Nahen Osten der Jahrtausendwende von Colin T. Blackstone

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Fionas Vater Richard Gordon leitet voller Idealismus die "Peace Alert Agency" - eine Hilfsorgansisation - im palästinensischen Nablus. 1999 kann er zum ersten Mal Weihnachten nicht bei seiner Familie in Hamburg sein, was besonders seine Tochter sehr betrübt.

Doch seine Frau hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um mit Freunden gut gelaunt und stilvoll den Heiligabend zu verbringen. Während der Feier erreicht Fiona ein Anruf, dass Richard Gordons Konvoi auf dem Weg von Nablus nach Jerusalem überfallen worden ist und ihr Vater seitdem vemisst wird.

Die junge Frau erträgt die Ungewissheit über sein Schicksal nicht, hält es nicht in Hamburg aus und fliegt überstürzt nach Jerusalem, um vor Ort herauszufinden, was passiert ist.

Sie, die 23-jährige Lehramtsstudentin aus einem angesehenen Hamburger Stadtteil, landet in einer ihr völlig fremden Welt. Und auch die Personen, mit denen sie zu tun hat, sind ihr nicht geheuer. Doch Sir Brian Baldringham, ein Mitarbeiter der UN, nimmt Fiona schützend unter seine Fittiche. Er warnt sie auch vor dem schottischen Journalisten John "Hawkeye" MacLeod, der viel über die Vorgänge um ihren Vater zu wissen scheint, und die junge Frau nur "Fi" nennt.

Bald gibt es Indizien dafür, dass Richard Gorden in mehrerlei Hinsicht ein Doppelleben geführt hat. Fiona ist geschockt, sucht jetzt aber umso verbissener nach der Wahrheit.

Resümee:
Dieser Roman bietet spannende Unterhaltung vor real existierender Kulisse, angereichert mit politisch aktueller und historischer Hintergrund-Information.

Diese ist in die Handlung eingebunden und ergibt sich meist aus Gesprächen der Protagonisten untereinander. Durch den lockeren Schreibstil des Autors geschieht dies nicht auf trocken-belehrende Art, sondern die schwierige Situation im Nahen Osten wird auch dem Laien absolut verständlich nahegebracht.

Fiona hat zwar Geschichte studiert, besitzt also ein Basiswissen. Dennoch stürzt sie sich aus dem "Elfenbeinturm" eines wohlbehüteten Lebens in Hamburg recht naiv in das "Abenteuer Naher Osten", erlebt einen regelrechten Praxisschock und bewegt sich im wahrsten Sinne des Wortes auf unsicherem Terrain. In dem Maße, wie sie peu à peu an Erfahrung gewinnt, lernt auch der Leser dazu.

Zu vielen Aspekten hat der Autor, der über sehr fundierte Kenntnisse bzgl. der Lage in dem Krisengebiet verfügt, oft zwecks weiterführender Informationen für den Interessierten am Kapitelende Internetquellen verlinkt.

Szenen, in denen die Darstellung der Situation im Nahen Osten dominiert, wechseln mit der stellenweise dramatischen Entwicklung einer Liebesgeschichte, in der Fiona die weibliche Hauptperson ist.

Sämtliche Beschreibungen sind so detailgetreu, dass auf beeindruckende Weise die in Schreibseminaren für Autoren vermittelte - und mir nie einleuchtende - Regel widerlegt wird, dass Adjektive zu meiden seien, um der Phantasie des Lesers den größtmöglichen Raum zu geben.

Hinzukommt der bereits erwähnte, wohltuend lockere Schreibstil des Autors, sodass man sich ins Geschehen hineinversetzt fühlt, und ähnlich wie Fiona mit Personen, Örtlichkeiten sowie Gegebenheiten immer vertrauter wird, sich mit ihr freut und mit ihr leidet.

Beeindruckend fand ich einige Kontraste, wie z. B. die Schilderung der Zustände im realen Alltagsleben einerseits, die im abgeschirmten Hotelkomplex andererseits.
Oder die Wirkung der Eingangsszene während der Weihnachtsfeier in Fionas Hamburger Elternhaus, verglichen mit den Gefühlen, wenn Fiona von ihrer Tante die nahezu identische Situation der Silvesterfeier geschildert wird, als sie mit ihr aus dem Nahen Osten telefoniert.

In Anbetracht der Thematik finde ich es eine hervorragende Idee, dass jeweils die Datumsangaben des gregorianischen, jüdischen und islamischen Kalenders über den Kapiteln stehen.

Einziges Manko ist die große Anzahl an Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern, die nach Aussage des Autors in einer neuen Auflage korrigiert werden wird.

Fazit: ein spannender, unterhaltsamer und informativer Roman, der sich in kein gängiges Genre pressen lässt.

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