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Rezension zu "Eiskalter Tod: Unfall oder Verbrechen?" von John Leake

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Diese Buch basiert auf einem realen Fall:
Anfang August 1989 verabschiedet sich der 23-jährige kanadische Profi-Eishockeyspieler Duncan MacPherson in Saskatoon / Sasketchewan von seinen Eltern Lynda und Bob, um nach Europa aufzubrechen.

Zunächst möchte er ein paar Tage Zwischenstation in Süddeutschland machen, bevor er nach Schottland weiterreist, um den Job als Trainer einer Eishockey-Mannschaft anzutreten.Von dort will er sich am 14. August bei seinen Eltern melden.

Doch der ersehnte Anruf bleibt aus. Erste Nachforschungen ergeben, dass Duncan am 8. August mit dem Auto eines Freundes Richtung Österreich aufgebrochen ist - seitdem fehlt von ihm zunächst jedes Lebenszeichen.

Obwohl Vertreter der kanadischen Polizei und des Außenministeriums beteuern, alles zu tun, um den Vermissten zu finden, spürt insbesondere Lynda bald, dass dies nicht der Fall ist. Außerdem quält es sie, in Kanada zur Untätigkeit verdammt zu sein. Daher fliegen sie und Bob nach Deutschland, um sich selbst auf die Suche nach ihrem Sohn zu machen.

Sie finden heraus, dass sich seine Spur am Stubaier Gletscher verliert, wo er zum Snowboarden war. Doch auch die österreichischen Behörden unternehmen kaum ernsthafte Versuche, sein Verschwinden aufzuklären. Lynda und Bob forschen auf eigene Faust weiter, investieren einen Großteil ihrer Ersparnisse und reisen immer wieder in das Skigebiet - vergeblich.

Erst 14 Jahre später wird aufgrund einer starken Schneeschmelze im extrem heißen Sommer 2003 Duncans Leichnam samt Snowboard geborgen. Die Behörden gehen von einem Unfall aus und schließen den Fall. Doch die Eltern haben mittlerweile zu viele Ungereimtheiten erfahren, geben sich nicht damit zufrieden, sondern wollen Klarheit über die Todesursache.

Gut 20 Jahre nach dem Verschwinden ihres Sohnes gelingt es mit Hilfe des Journalisten John Leake, die Hintergründe zu seinem Tod aufzuklären.

"In all den Jahren entsetzlicher Frustration hielten sie [Lynda und Bob] fest zusammen (...) Im Antlitz eines Betrugs ungeheuren Ausmaßes ließen sie sich nicht von ihrer Suche nach der Wahrheit abbringen und deckten am Ende auf, dass die Behörden mächtigen Interessen gedient hatten, anstatt das Gesetz zu vollstrecken." (E-Reader, Pos. 3815)

Resümee:

John Leake hat über einen langen Zeitraum immer wieder intensive Gespräche sowohl mit Lynda und Bob MacPherson als auch mit zahlreichen in den Fall involvierten Personen geführt. Er schildert sowohl die Ergebnisse der elterlichen Odyssee als auch die seiner Recherchen. Letztere basieren sowohl auf der Analyse zum Teil bereits vorliegender sowie neuer Fakten und Materialien als auch auf Stellungnahmen qualifizierter neutraler Sachverständiger.

Zutage tritt schließlich eine Vertuschungsaktion gigantischen Ausmaßes, an der nicht nur Polizei und Pistenarbeiter, sondern auch Staatsanwälte, Pathologen, Gutachter, Behördenmitarbeiter, Snowboardverleiher u.v.a.m. beteiligt sind.

Über 20 Jahre wurden die Eltern manipuliert, hingehalten, mit Halbwahrheiten oder Lügen abgespeist, wichtige zur Aufklärung unbedingt notwendige Untersuchungen unterlassen - letztlich im Interesse einer florierenden Tourismusindustrie.

Trotz des immensen emotionalen Potenzials setzt John Leake sich sachlich und akribisch mit Abläufen, Untersuchungen, Fakten und Materialien sowie Personen auseinander. Dabei wird aber auch immer wieder deutlich, dass es ihm keineswegs an Mitgefühl für die Eltern mangelt, und sein Engagement ebenso groß wie ihres ist.

Im Verlauf und Anhang des Buches befinden sich sowohl Bilder als auch Textdokumente.

Einziges Manko sind die unendlich vielen Namen und Berufsbezeichnungen. Hier fiel mir die Zuordnung oft schwer, und ich hätte mir ein Verzeichnis der wichtigsten Vertreter gewünscht.

Fazit: ein schockierender realer Fall, ein packendes Buch!

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