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Rezension zu "Eine Handvoll Wind" von Colin T. Blackstone

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Elise Jaspersen hat gerade ihr Abitur gemacht und begleitet ihren Vater und den 77-jährigen Großvater Magnus nach Niger. Sie soll auf dieser Reise das Familien-Unternehmen kennenlernen, denn der Senior bereist bereits seit 40 Jahren die Sahara, wo er sich einen Namen im Urangeschäft gemacht hat und ein Vermögen verdient.

Während sein Sohn und auch der in Paris lebende Enkel beruflich in seine Fußstapfen treten, denkt Elise nur ans Reiten. Wie früher ihr Großvater will auch sie Karriere als Springreiterin machen - ein Plan, den die Familie nicht gutheißt.

Bedingt durch aufständische Tuareg verläuft die Reise anders als geplant. Bei einem Angriff auf ihr Auto werden Elise und der Großvater schwer verletzt und kehren schließlich nach Deutschland zurück - in das an der Ostsee gelegene Örtchen Risby.

Hier ändert Magnus Jaspersen seine Meinung und unterstützt Elise fortan bei der Verwirklichung ihres Zieles, Profi-Reiterin zu werden. Schon bald kann sie beachtliche Erfolge aufweisen und macht sich unter ihren Kollegen einen Namen. Sie lernt u.a. den Reiter Viktor Blackburn kennen, von dem sie so manchen guten Rat bekommt, und den nicht nur sie bewundert.

Doch dann erhält die Familie plötzlich Furcht einflößende mysteriöse Botschaften.
Wer steckt dahinter? Wem gelten sie und was soll mit ihnen bezweckt werden?

Resümee:
Dies ist ein beachtliches Werk, das gekonnt zwei völlig unterschiedliche Themen miteinander verbindet: Die Situation der Tuareg in Niger und den Profi-Reitsport in Deutschland. Beides wird so kompetent mit Tiefgang und dabei verständlich geschildert, wie es nur jemand kann, der sich mit beiden Bereichen bestens auskennt.

Dabei ist der Roman für den Laien nicht nur interessant, sondern ausgesprochen unterhaltsam und spannend geschrieben.

Lange Zeit fragt man sich zunächst, was die Handlung, die in Afrika beginnt, mit dem Reitsport zu tun haben mag. Hinweise sind zwar durch einzelne Szenen gegeben, jedoch nicht speziell auf Elise bezogen, sodass man wohl eine Bedeutung ahnt, diese aber in der Schwebe bleibt. Erst gegen Schluss wird der Bezug konkret. Dann nämlich, wenn beide Handlungsstränge - der in Afrika und der in Deutschland spielende - immer mehr miteinander verschmelzen und der Kreis sich zuletzt schließt.

So manches Mal glaubt man zu wissen, wie sich das Geschehen weiterentwickelt, wird jedoch durch unvorhergesehene Wendungen, die oft nicht einer gewissen Dramatik entbehren, immer wieder überrascht.

Die Charaktere sind sehr variantenreich und in ihren Facetten sehr gut und glaubwürdig herausgearbeitet, egal, ob es sich um Haupt- oder Nebendarsteller handelt. Dabei hat der Autor es ausgezeichnet geschafft, den Sprach- und Denkstil den jeweiligen Akteuren auf den Leib zu schreiben. Dies sorgt für Lebendigkeit und so manch witzigen Dialog respektive Gedankengang.

Der Titel nimmt Bezug auf eine Legende, nach der Gott das edle arabische Pferd aus einer Handvoll Südwind geschaffen hat. Dies wird gerne auf alle Pferderassen übertragen: Gott nahm eine Handvoll Wind, pustete auf sie und ließ so das Pferd entstehen.

Das einzige Manko des Buches sei nicht unterschlagen: Es enthält eine große Anzahl an Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern.

Fazit: Dieser unterhaltsame und fesselnde Roman richtet sich in erster Linie an Erwachsene, denn es ist keines jener Pferdebücher mit Ponyhof-Idylle und Stallromantik. Ganz im Gegenteil: Es wird deutlich, dass im Profi-Reitsport mit harten Bandagen gekämpft wird.

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