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Rezension zu "Die Verlassene" von Mary Torjussen

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Hannah Monroe (32) arbeitet hart und erfolgreich als Senior Manager in einer Liverpooler Wirtschaftsprüfungskanzlei. Bei einer Fortbildung wird ihr die baldige Beförderung zum Director in Aussicht gestellt. Sie kann es kaum erwarten, diese Neuigkeit ihrem Lebensgefährten Matt mitzuteilen und kauft zur Feier des Tages auf dem Heimweg sogar Champagner.

Doch als sie zu Hause ankommt, stellt sie fassungslos fest, dass alle seine Sachen verschwunden sind. Und nicht nur das: Seine Kontaktdaten sind ebenso von ihrem Handy gelöscht worden wie seine Nachrichten an sie, seine Telefonnummern sind nicht mehr vergeben, bei der alten Firma arbeitet er nicht mehr und auch im Internet wird Hannah nicht fündig. Sie hat keine Möglichkeit, mit ihm in Verbindung zu treten. Es ist, als hätte Matt nie in ihrem Haus gewohnt, ja, als hätte es ihn nie gegeben.

Die junge Frau versteht die Welt nicht mehr:
Warum hat ihr Lebensgefährte sie nach 4 gemeinsamen, glücklichen Jahren, in denen sie sich immer wieder gegenseitig ihrer Liebe versichert haben, ohne eine Erklärung verlassen?

Sie muss unbedingt herausfinden, was passiert ist und wo Matt sich befindet. Ihre beste Freundin Katie und deren Freund James versuchen zu helfen - vergeblich.

Als Hannah sich beobachtet fühlt, anonyme SMS und Anrufe bekommt und sicher ist, dass während ihrer Abwesenheit immer wieder jemand in ihrem Haus ist, ist sie sicher, dass Matt dahintersteckt.

Sie steigert sich derart in die Nachforschungen hinein, dass ihre Arbeit erheblich leidet. Doch das ist ihr im Gegensatz zu Vorgesetzten und Mitarbeitern egal.

Resümee:
Dieses Buch ist ein wahrer Pageturner, den ich kaum aus der Hand legen konnte. Daran änderten auch inhaltliche Wiederholungen nichts, da sie meist mit neuen Infos und Hinweisen einhergehen, die das Geschehen vorantreiben und die Gedanken des Lesers in eine neue Richtung lenken.

Je weiter die Handlung, die aus Sicht der Verlassenen (Titel) geschildert wird, voranschreitet, desto häufiger spekuliert man auch über die Reaktionen ihrer Freundin Katie:
Ist ihr Umgang mit der Situation und Hannah wesensbedingt normal, wird sie im Laufe der Zeit langsam genervt? Denn Hannah kann auch nach Monaten Matts Abwesenheit nicht akzeptieren, steigert sich im Gegenteil immer verbissener in die Suche nach ihm und vernachlässigt sich selbst sowie ihre Arbeit zunehmend. Ihr Verhalten war für mich an einigen Stellen rational nicht nachvollziehbar.

Welche Rolle spielen in der Firma ihre Assistentin Lucie und Kollege Sam? Sind sie wirklich so fürsorglich-loyal, wie es den Anschein hat, oder treiben sie andere Motive?

Man fiebert in jeder Phase mit Hannah und fragt sich genau wie sie ständig, was wohl mit Matt geschehen ist, warum er plötzlich aus heiterem Himmel wie vom Erdboden verschwunden ist. Bis zur Auflösung, die nach ca. 3/4 des Buches eingeleitet wird, ist alles ein einziges großes Mysterium.

Diese hat es dann in sich, ist komplett anders als erwartet und erschütternd. Und es wird auch deutlich, warum mir einige Reaktionen von Hannah und Lucie nicht logisch erschienen - plötzlich macht alles einen Sinn.

Der allerletzte Satz ließ mich mit einem "Oh nein!" regelrecht erschauern.

Fazit: ein Psychothriller, der diese Bezeichnung allemal verdient

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