BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Annette Traks Headshot

Rezension zu "Die Lebenspflückerin" von Regine Kölpin

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Die Handlung spielt im Ostfriesland des Jahres 1545:
Die junge Hebamme Hiske Aalken wird in Jever der Hexerei beschuldigt und flieht in die Herrlichkeit Gödens (als "Herrlichkeit" bezeichnet man einen Verwaltungsbezirk, dem ein Adliger - oft ein Freiherr - vorsteht). Dort findet sie Unterkunft bei der verwitweten Adele Stausand.

Als unmittelbar danach der Lokator Cornelius von Ascheburg ermordet aufgefunden wird, sehen einige Einwohner - vor allem der intrigante Bader Dudernixen - einen Zusammenhang zum Erscheinen der Hebamme.

Diese stellt bald fest, dass eine Gruppe von Leuten in Wagen rund um die Burg Gödens leben und nachts heimliche Treffen abhalten.

Außerdem schleicht ein völlig verwahrloster, offensichtlich außerhalb der Gemeinschaft lebender Junge, der nicht spricht, durch die Gegend. Hiske nimmt sich zum Missfallen vieler seiner an, "schenkt" ihm ein paar Worte und gibt ihm den Namen "Wortsammler".
Er selbst bekommt eine vage Ahnung von ihrer Tätigkeit und nennt sie bei sich "Lebenspflückerin".

Als Hiske und der kürzlich aus Amsterdam gekommene Arzt Jan Valkensteyn im Kräutergarten der Hebamme die Witwe des ermordeten Cornelius von Ascheburg tot auffinden, wollen etliche nun unbedingt schnell mit einem Mörder aufwarten. Sehr gelegen kommen ihnen da nicht nur der Wortsammler, sondern auch die Hebamme - beide werden verhaftet und Hiske erneut der Hexerei beschuldigt.

Resümee:
Der Roman liefert einen spannenden und umfassenden Einblick vor allem in die religiöse Situation Ostfrieslands zur Mitte des 16. Jahrhunderts.

Die Zeit war diesbezüglich geprägt von Veränderungen, wie z. B. den folgenden:
Die Reformation erreichte die Gegend, konnte aber nicht recht Fuß fassen.
Es existierten mehrere Lehren nebeneinander und spalteten die Menschen.
Mit den Mennoniten unter Leitung des niederländisch-friesischen Theologen Menno Simons entwickelte sich die Täuferbewegung.
Viele Menschen flüchteten wegen ihres Glaubens von Holland nach Ostfriesland.

Weitere Informationen hat Regine Kölpin im Anhang des Buches zusammengestellt.
Dort findet man auch eine Liste fiktiver und realer historischer Personen, die in dem Roman auftreten sowie ein Glossar.

Es geht in dem Buch auch um Machtstreben und Führungsanspruch innerhalb einer Gemeinschaft sowie um Neid, Rache, Eifersucht und menschliche Not.

Und natürlich wird durch die Hebamme Hiske Aalken das Thema Hexerei behandelt:
Ihr unterstellen viele, mit Zauberkräften ausgestattet zu sein, mit ihnen nicht nur zum Wohle zu wirken, sondern auch Unheil zu bringen.

Dieser Band ist der 1. einer Trilogie:
Teil 2 ("Der Meerkristall") und 3 ("Das Signum der Täufer") sind bereits erschienen.

341 Rezensionen zu Büchern von 226 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:
http://www.annette-traks.com