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Rezension zu "Die Galerie der Düfte" von Julia Fischer

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Johanna (Mitte 20) betreibt in einem Hinterhof in München-Neuhausen einen kleinen Laden, in dem sie selbst hergestellte Naturkosmetik verkauft. Im Wohngebäude befinden sich u.a. ihre sowie die Wohnung der Eltern und deren Apotheke. Sie fühlt sich sehr wohl in dieser Umgebung, in der es auch an Pflanzen nicht mangelt, liebt ihre Arbeit und den Kontakt mit den Kunden.

Ihr großer Traum ist es, auch ein paar erlesene Produkte der ehrwürdigen Florentiner "Officina Profumo di Santa Maria Novella" der Familie Fortini anzubieten. Doch zu ihrem Bedauern erhält sie auf entsprechende Anfragen stets Absagen.

Schließlich reist sie nach Florenz, um sich persönlich vorzustellen und ihr Anliegen vorzutragen. Johanna ist hier umgeben von Kräutern, edlen Seifen, Parfums und verführerischen Düften. Und sie lernt die ungleichen Brüder Luca und Sandro Fortini kennen - zurückhaltend und in sich gekehrt der eine, extrovertiert und draufgängerisch der andere.

Beide verlieben sich in die junge Frau, die Botticellis Bild der Venus auf verblüffende Weise gleicht. Während Luca zaghaft um sie wirbt, erobert Sandro sie im Sturm. Doch er ist verlobt und wird in Kürze heiraten.

Diese Reise verändert Johannas Leben komplett, und wie etliche andere Personen auch, muss sie schwerwiegende Entscheidungen bezüglich ihrer Zukunft treffen. Ihre eigene Familiengeschichte und die der Familie Fortini spielen dabei eine wichtige Rolle.

Resümee:
Was für ein tolles Buch!
Düfte, Farben, Blumen, Kräuter und Stoffe durchziehen den gesamten Roman und hüllen den Leser gleichsam ein, getragen von einer bildhaften, zum Teil geradezu poetischen Sprache. Auf diese Weise fühlt man sich bei der Lektüre trotz aller Verwicklungen wohl, Kümmernis vergeht schnell - genau wie durch die Anwendung einiger der von Johanna hergestellten Düfte.

Man träumt sich nach Florenz oder München, ist quasi an Johannas Seite, freut, leidet, bangt und hofft mit ihr.

Sehr gelungen ist der Autorin das Wechselspiel zwischen Spannung und Entspannung. Hat man sich z.B. gerade gefragt, wie sich eine bestimmte Situation wohl auflösen und in welche Richtung die Handlung danach weitergehen wird, so kann man anschließend Johanna ganz in Ruhe beim Destillieren über die Schulter schauen.

Nicht unerwähnt bleiben darf bei diesem Buch die tolle und - auch auf den Inhalt bezogen - so stimmige Cover- und Innengestaltung.

Man merkt, dass dem Schreiben des Romans eine intensive Recherche vorausgegangen ist:
Julia Fischer ist nicht nur zweimal in Florenz gewesen, wo sie sämtliche Orte der Handlung selbst besucht hat, sondern sie hat auch gelernt, selbst Seifen zu sieden und Naturparfums herzustellen. Dabei konnte sie sich ein profundes Wissen rund um die verschiedenen Arbeitsschritte und Materialien aneignen.

Fazit: ein in jeder Hinsicht sehr intensives, rundherum stimmiges und harmonisches Buch.

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