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Rezension zu "Die Farben des Bösen" von Anja Berger

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Ein Unbekannter lädt Single-Frauen mit einem Brief zu einem Date ein, bei dem er ihnen Aufmerksamkeit und Zuneigung vorgaukelt. Anschließend jedoch sperrt er sie in einem Raum ein, schneidet ihnen bei Bewusstsein Körperteile ab und tötet sie später. Das Äußere seiner Opfer verändert er so, dass sie sich optisch gleichen.

Die amputierten Teile versteckt er an Stellen, wo sie von unbescholtenen Bürgern scheinbar zufällig gefunden werden. Die alarmierte Polizei ist zunächst ratlos. Dann jedoch fällt einer jungen Mitarbeiterin auf, dass die Getöteten alle Eva, der Schwester des befreundeten Presse-Fotografen Chris, ähneln. Wie sie erfährt, hat auch diese eine anonyme schriftliche Einladung zum Date bekommen.

Allerdings zieht die junge Frau es vor, mit ihrem Bruder und der besten Freundin Tanja in den Urlaub zu fahren. Sie wohnen in einem Berghotel, das seit Kurzem Sam leitet, ein gemeinsamer Freund aus Jugendtagen. Nach einem schrecklichen Unglück vor 15 Jahren, bei dem auch Eva anwesend war, war er ins Ausland gegangen und ist erst jetzt zurückgekehrt.

Alte Gefühle flammen zwischen den einst Verliebten wieder auf, und auch Tanja und Chris kommen sich näher. Doch dann ist Eva plötzlich verschwunden.

Resümee:
Die Handlung dieses Thrillers spielt in der Schweiz und ist durchgängig spannend, wobei sich die Dramatik kontinuierlich steigert.

Trotzdem ist der Schluss ein wenig enttäuschend:
Spätestens auf den letzten 80 Seiten weiß man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wer der Serienkiller ist. Allerdings habe ich diesbezüglich doch noch eine Überraschung erwartet, da die Autorin nicht den nun bekannten Namen benutzt, sondern weiterhin die bis dahin verwendete Benennung gebraucht. Leider bleibt die Wende jedoch aus, lediglich das wahre Tatmotiv wird erst ganz am Schluss offengelegt.

Einige Szenen, in denen der Mörder seine Opfer brutal quält und Körperteile amputiert, sind mir zum Teil zu detailliert und anschaulich beschrieben. Auch die Hilflosigkeit der verzweifelten Frauen bekommt der Leser so plastisch geschildert, dass er seine Phantasie gar nicht mehr bemühen muss - so genau möchte mancher es mit Sicherheit gar nicht wissen.

"Die Farben des Bösen" bilden die Kapitel-Überschriften:
Weiß steht für die Passagen, in denen Eva, Tanja, Chris und Tanja im Mittelpunkt stehen. Sie bilden mit den sich möglicherweise anbahnenden Liebesgeschichten und zum Teil heiter-schlagfertigen Dialogen eine wohltuende Abwechslung zu
Schwarz. Diese Farbe signalisiert, dass der Killer der Protagonist ist und es wieder brutal wird.
• Bei Grau geht es um die Entdeckung der abgetrennten Körperteile bzw. Leichen sowie um die Ermittlungsarbeit der Polizei. Diese Abschnitte bilden - besonders mit dem Wissen um die Lösung - im wahrsten Sinne eine Grauzone.

Fazit: ein spannender Thriller ... wenn man nicht so zart besaitet oder bereit ist, die entsprechenden Kapitel teilweise nur diagonal zu lesen.

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