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Rezension zu "Der Mann aus dem Fegefeuer: Das Doppelleben des Serienkillers Jack Unterweger" von John Leake

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Das Buch schildert dokumentarisch das Leben des Schriftstellers und Serienkillers Jack Unterweger (1950 - 1994):

Er ist der uneheliche Sohn eines amerikanischen Soldaten und einer in der Steiermark lebenden Prostituierten. Ab seinem 2. Lebensjahr wächst er bei seinem raubeinigen und angeblich alkoholabhängigen Großvater auf einem Bauernhof in Kärnten auf.

Als Jugendlicher kommt Jack bereits wegen einiger Diebstähle und Einbrüche mit dem Gesetz in Konflikt, 1974 wird er wegen des Mordes an einer jungen Frau zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im Gefängnis beginnt er zu schreiben, verfasst u.a. einen autobiografischen Roman, auf den der Titel des vorliegenden Buches von John Leake Bezug nimmt: "Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus". Unterwegers Werke finden außerhalb des Gefängnisses große Anerkennung, und er wird zum gefeierten "Knastliteraten".

Persönlichkeiten aus dem kulturellen Bereich wie z.B. Ernest Bornemann, Erich Fried, Elfriede Jelinek und Günter Grass setzen sich für seine Begnadigung ein - er stellt in ihren Augen das Paradebeispiel einer geglückten Resozialisierung dar.
1990 wird Jack Unterweger daraufhin nach der gesetzlich vorgeschriebenen Mindesthaftzeit entlassen.

Ein paar Monate später beginnt in Tschechien, Österreich und den USA eine Reihe von 11 Prostituiertenmorden. Man verdächtigt bald Unterweger, der die Taten jedoch bestreitet und nach Miami flieht. Dort kann er Anfang 1992 verhaftet werden.

1994 verurteilt ihn ein Grazer Geschworenengericht aufgrund erdrückender Indizien wegen 9-fachen Mordes zu lebenslanger Haft - bei 2 Leichen konnte die Todesart wegen des fortgeschrittenen Verwesungsprozesses nicht mehr festgestellt werden.

In der Nacht nach der Urteilsverkündung erhängt sich Unterweger mit der Kordel seiner Jogginghose in der Zelle.

Resümee:
John Leake liefert mit dem dreiteiligen Buch einen umfassenden Einblick in die Biografie Jack Unterwegers:

Teil I befasst sich relativ kurz mit dem Leben Unterwegers seit der erstenVerhaftung 1974 und seinem Aufstieg als Knastliterat bis hin zur Begnadigung. Wesentlich zahlreicher sind die Kapitel über die Zeit nach der Entlassung, in denen der Autor die Prostituiertenmorde und jeweiligen Tatumstände detailliert beleuchtet.
Der Leser lernt Jack Unterweger als "Schriftsteller und Serienmörder, ein Monster und Gentleman" (Klappentext) kennen.

Teil II schildert im Wesentlichen die Ermittlungen und Verhaftung bis hin zur Anklage. Hier erfahren wir auch die zwiespältige Haltung der involvierten Beamten, denn immer wieder gelingt es dem charismatischen Unterweger, sich gekonnt in Szene zu setzen und sie - ebenso wie Journalisten und Frauenbekanntschaften - zu manipulieren.

Teil III gilt dem Prozessgeschehen, der Beweisführung und diverser Gutachten.

Die 3 Teile und einzelnen Kapitel sind stringent, sodass sich zum Schluss ein komplexes Ganzes ergibt, die "Causa Unterweger" und dessen Persönlichkeit betreffend.

Vorausgegangen sein muss dem Buch eine akribische Recherche des Autors und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Phänomen Jack Unterweger, von dem immer noch eine gewisse Faszination ausgeht:
Auf der einen Seite war er der gefeierte Schriftsteller, gut aussehende Gentleman und Frauenverführer, auf der anderen Seite eine gnadenlos mordende Bestie mit einem gestörten Verhältnis zu Frauen, misstrauisch, impulsiv, sadistisch, manipulativ.

So widersprüchlich seine Persönlichkeit war - der Psychiater Dr. Haller sprach von ihm als "maligner Narzisst" -, so sehr spaltete er die Gesellschaft. Es ist John Leake in seiner Dokumentation meisterlich gelungen, dies deutlich zu machen und Widersprüchlichkeiten ebenso wie Verknüpfungen herauszuarbeiten.

Fazit: ein packendes Buch um eine reale Mordserie und einen charismatischen Verdächtigen.

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