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Rezension zu "Der Fluch der Zuckerinsel" von Nora Berger

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Anfang des 19. Jahrhunderts gehören die Eltern von Annabelle de Castellin und Léon de Montargis auf Martinique zu den reichsten Besitzern von Zuckerrohr-Plantagen. Obwohl beide Familien seit Langem miteinander verfeindet sind, haben sich Annabelle und Léon ineinander verliebt und wollen heiraten, sobald der junge Mann sein Medizinstudium in Paris abgeschlossen hat.

Doch auf der Seereise dorthin erleidet er Schiffbruch; man geht davon aus, dass niemand das Unglück überlebt hat.

Annabelle ist tieftraurig und verzweifelt, denn sie erwartet nicht nur ein Kind von ihrem verschollenen Freund, sondern erfährt auch, dass die elterliche Plantage hoch verschuldet ist. Nur die Heirat mit einem wesentlich älteren Sklavenhändler kann die finanzielle Misere beenden. Doch der entpuppt sich nach der Eheschließung als äußerst brutal.

Ohnehin scheint ein böser Fluch auf Annabelles Zuhause zu liegen:
Einer nach dem anderen, der ihr etwas bedeutet, stirbt, und dann plündern auch noch aufständische Sklaven das Anwesen und brennen es nieder.

Völlig verzweifelt und am Ende ihrer Kräfte, flieht die junge Frau auf einem Schiff nach Paris; während der Überfahrt wird ihr Sohn geboren.

In der Hauptstadt durchlebt sie harte Zeiten, verarmt völlig und muss sich von ihrem Kind trennen. Erst ein Engagement als Sängerin leitet schließlich die Wende ein.
Doch obwohl sie allmählich zu einigem Wohlstand gelangt und eine leidenschaftliche Beziehung eingeht, ist sie nicht glücklich.

Resümee:
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Es beginnt mit dem Leben auf Martinique, und Handlungsstränge, in denen Annabelle oder Léon jeweils die Hauptpersonen sind, wechseln einander ab. Die zweite Hälfte spielt in Paris, hier steht bis kurz vor Schluss fast ausschließlich Annabelle im Mittelpunkt.

Die Atmosphäre beider Schauplätze zu damaliger Zeit ist sehr gut eingefangen, auch dadurch, dass die Charaktere sehr lebendig und realistisch gestaltet sind. Daher nimmt man in jedem Moment als Beobachter direkt am Geschehen Anteil.

Dabei stehen die menschlichen Schicksale von Annabelle und Léon im Mittelpunkt. Sie sind eingebettet in die historische Situation zur Regierungszeit Napoleons, von der man nur soviel erfährt, wie es für das Verständnis der Handlung notwendig ist.

Spannend ist im gesamten Buch, besonders aber im zweiten Teil, die Entwicklung der jungen Frau. Man fragt sich von Anfang an immer wieder, ob und wie sie die kritischen Situationen meistert, die das Schicksal für sie bereithält, welche Richtung ihr Leben danach nehmen wird.
Dabei sind ihre Entscheidungen aus der Zeit und ihrer Lage heraus jedes Mal gut nachvollziehbar.

Fazit: ein sehr lesenswerter historischer Roman.

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