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Rezension zu "Das weiße Feld" von Lenka Hornakova-Civade

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Als ihr Liebhaber sie seiner Familie zuliebe verlässt, findet Marie (*1904) mit ihrer 10-jährigen Tochter Magdalena in einem kleinen mährischen Dorf nahe der österreichischen Grenze ein neues Zuhause. Zunächst hält sie sich beide mit Stickarbeiten über Wasser, dann erwirbt sie sich als Hebamme einen guten Ruf und wird für die Schwangeren unverzichtbar.

Als sie heiratet und mit ihrem Mann ein weiteres Kind bekommt, gehört Magdalena (*1929) nach Meinung des Stiefvaters nicht mehr in die Familie. Er gibt sie in den Haushalt eines Gutsbesitzers und Keksfabrikanten, wo sie liebevoll die Kühe hütet und in der Küche hilft.

18-jährig wird sie vom Sohn ihres Herrn schwanger, und ihr gesamtes Leben ändert sich von Grund auf.

1948 kommt Magdalenas Tochter Libuše unehelich zur Welt. Sie wächst bei ihrer Großmutter Marie auf, von der sie das Sticken lernt und so zum Unterhalt beiträgt. Kurz vor ihrem 7. Geburtstag heiratet ihre Mutter Magdalena einen gewalttätigen Mann, sodass das Mädchen nur kurze Zeit bei ihnen wohnt, bevor sie wieder ins Haus von "Mama Marie" zurückkehrt. Im Dorf ist sie eine Außenseiterin, denkt viel über das Leben und das Glück nach und träumt von Paris.

Als 20-Jährige schläft sie mit einem russischen Soldaten, wird am gleichen Tag von ihrem Stiefvater vergewaltigt und heiratet aus Angst, schwanger zu sein und ein uneheliches Kind zu bekommen, einen Jugendfreund.

Ihre Tochter Eva wird 1969 geboren. Auch sie weiß nicht, wer ihr leiblicher Vater ist, lebt bei der alten Marie und erlernt das Sticken - mit links, denn sie ist Linkshänderin, zu damaliger Zeit ein großer Makel. Sie ist sehr wissensdurstig, lässt sich keine Märchen erzählen und will sich nicht in das Schema der Normalität pressen lassen. Am liebsten möchte sie ein Leben ohne Kompromisse führen - auch sie geht einen harten Weg.

Resümee:
Dieser Roman ist in 3 Bücher gegliedert, in jedem ist eine der folgenden Frauen die Protagonistin: Magdalena (*1929), ihre Tochter Libuše (*1948) und deren Tochter Eva (*1969). Sie erzählen ihre Geschichte jeweils in der Ich-Perspektive.

Auch Magdalenas Mutter Marie spielt eine zentrale Rolle: Ihr Leben durchzieht wie der sprichwörtliche rote Faden - der bei den Stickarbeiten eine sehr konkrete Rolle spielt - die Handlung und verbindet so die drei folgenden Generationen.

Die Protagonistinnen der 3 Buch-Teile haben Gemeinsamkeiten:
● Sie wissen nicht, wer ihr leiblicher Vater ist, er wird von den Müttern nie erwähnt. Das heißt, die Mädchen haben ein weißes Feld (siehe Titel) in ihrer Geburtsurkunde, nämlich dort, wo üblicherweise der Name des Erzeugers eingetragen wird.

● Daher sind sie Außenseiter, werden von den neuen Familienvätern nicht als vollwertiges Mitglied akzeptiert, und für die Dorfgemeinschaft sind und bleiben sie "Bastarde". Magdalena sagt einmal: "Es waren die weißen Flecken des Lebens, die uns leiden ließen, (...)". (E-Reader Pos. 1071). Und Marie stellt fest: "Die Vergangenheit ist immer da." (Pos. 1710). Mehr noch: Sie scheint sich bei den Frauen der Familie zu wiederholen.

● Aber allen Widrigkeiten zum Trotz haben sie einen starken Überlebenswillen, lassen sich nicht beirren und wachsen zu starken Persönlichkeiten heran.

●Alle haben eine starke Bindung zur strengen, wortkargen "Urmutter" Marie mit ihren eisernen Prinzipien, die die Famile zusammenhält und ihren Nachkommen immer wieder erklärt: "Das Einzige, worauf es ankommt, ist die Freiheit." (E-Reader Pos. 3606)

● Und nicht zuletzt verbindet alle das Talent zum Sticken, zum Wahren einer Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Die Handlung ist eingebettet in das aktuelle politische Zeitgeschehen und wird zum Teil in Rückblenden erzählt, durch die die Lebensgeschichten der Frauen miteinander verwoben werden. Zum Schluss schließt sich der Kreis, aber der Leser fragt sich und ist gespannt, ob es Eva gelingen wird, ihn zu durchbrechen und wirklich das Tor zu einer Zukunft in Freiheit zu öffnen - Hoffnung machende Hinweise hat die Autorin gegeben.

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