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Rezension zu "Das Versprechen der Wüste" von Katherine Webb

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Als kleines Mädchen gab es für Joan Seabrook nichts Schöneres als die Geschichten aus "Tausendundeine Nacht", die ihr Vater ihr vorlas. Dabei schwärmte er immer von Arabien, das er als "ein Meer aus Sand, das größte auf der ganzen Welt" beschrieb (E-Reader, Position 78). Joan war fest davon überzeugt, dass Arabien ein verzaubertes Land ist, und träumte davon, eines Tages dorthin zu reisen.

1958 erfüllt sich dieser Herzenswunsch:
Joan ist mittlerweile 26 Jahre alt und hat ihr Archäologie-Studium abgeschlossen. Da bekommt sie die Möglichkeit, ihren Verlobten Rory nach Oman zu begleiten. Für die Reise opfert sie einen Teil ihrer Erbschaft. Denn die junge Frau will nicht nur endlich die Wüste kennenlernen, sondern auch ihren jüngeren Bruder besuchen. Dieser ist dort seit einem Jahr als britischer Soldat stationiert, um die Streitkräfte des Sultans zu unterstützen.

Vor allem aber muss sie in Maskat unbedingt ihr großes Vorbild Maude Vickery treffen, die einst als erste Europäerin das "Leere Viertel" - "The Empty Quarter" - der Wüste durchquerte.

Joan will es der mittlerweile 76-Jährigen gleichtun. Doch das Land befindet sich im Krieg, und als Ausländerin darf sie sich nur innerhalb eines engen Bereichs bewegen und die Stadt nicht verlassen.

Aber letztlich ist es Maude selbst, die Joan unversehens in die Kämpfe zwischen den Rebellen und der britischen Armee verwickelt: Sie gelangt als Araberin verkleidet in die Wüste und erklimmt als erste Ausländerin das Plateau des Dschabal al-Achdar.

Resümee:
Katherine Webb ist bekannt für ihre intensive Recherche-Arbeit, die sich in diesem Roman unter anderem in den ausführlichen und zum Teil sehr bildhaften Landschafts- und Expeditionsbeschreibungen widerspiegelt.

Der Leser verfolgt Maude Vickerys Werdegang ab 1880, bis er sich 1958 mit Joan Seabrooks Lebensweg kreuzt und beide Schicksale zusammenlaufen. Ausschnitte ihrer Biografien alternieren kapitelweise, wobei die Handlungsstränge sowohl interessant als auch spannend oder sogar dramatisch sind.

Dabei sind sich die mittlerweile 76-jährige, gebrechliche Maude und die junge, erwartungsvolle Joan sehr ähnlich, was ihre berufliche Leidenschaft und ihre privaten Probleme anbelangt. Beiden Frauen folgen wir in die arabische Wüste, erleben als Beobachter die Gefahren, ihre Ängste, Begeisterung, aber auch Misserfolge mit. Immer wieder hofft man, dass ihnen ihr großer Traum nicht zum Verhängnis wird.

Katherine Webb wirft aber auch einen Blick hinter die anscheinend heilen Fassaden der Familien und gibt einen generellen Einblick in die Konventionen der jeweiligen Zeit. Es geht dabei um Liebe, die Aufrechterhaltung eines sozial akzeptierten äußeren Scheins, um Ansehen und Ehre sowie Verlust.

Fazit: Nach "Das fremde Mädchen" und "Italienische Nächte" ist dies ein ganz anderer Roman der Autorin - aber nicht weniger interessant und spannend.

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