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Rezension zu "Das verlorene Kind - Kaspar Hauser" von Regine Kölpin

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Im Jahr 1812 findet Maria, die Frau eines Köhlers, vor dem Altar der Waldkapelle einen ausgesetzten Säugling. Obwohl die Familie kaum genug zum Leben hat, nimmt sie den Kleinen bei sich auf und nennt ihn Kaspar.

Wenig später stirbt Maria bei der Geburt des eigenen Kindes, ihr Mann wird daraufhin schwermütig und geht nicht mehr zur Arbeit. Nun müssen der 13-jährige Emil und seine 6 Jahre alte Schwester Hilda für sich selbst, den kranken Vater und Kaspar sorgen.

Doch Emil ist den harten Überlebenskampf leid - er strebt nach Höherem und will Reiter bei den Chevauxlegers werden. Bei seinen Zukunftsplänen sind ihm jedoch Kaspar und der pflegebedürftige Vater im Weg. Nach dem Tod des Letzteren bringt er Hilda in einem anderen Haushalt unter, den Stiefbruder, der nirgends gemeldet ist und keine Papiere besitzt, setzt er vor einem Herrenhaus aus.

Dort nimmt man sich zwar seiner an, hält ihn jedoch aus gutem Grund in einem kleinen Zimmer versteckt. Als die Situation für den Jungen nach einiger Zeit zu bedrohlich wird, wird er an einen anderen Ort gebracht.

Er begegnet Emil wieder, der mittlerweile durch Mord und Intrigen das Ziel seiner Träume nahezu erreicht hat. Kaspar würde ihm nicht nur im Weg, sondern sogar gefährlich sein und muss daher für immer verschwinden. Doch noch jemand trachtet ihm nach dem Leben.

Resümee:
Viel ist bereits über Kaspar Hauser geschrieben worden, viele Mythen ranken sich um seine Herkunft und sein Leben. Auch die Frage, ob er vielleicht ein grandioser Betrüger war, wird immer wieder gestellt.
Einig sind sich alle jedoch darin, dass er ein Opfer tragischer Umstände und verschiedener Egoismen geworden ist.

Regine Kölpin hat für ihre literarische Auseinandersetzung mit Kaspar Hauser zunächst die verschiedensten Theorien studiert und die gesicherten Fakten herausgearbeitet. Beides findet der Leser kurzgefasst im Anhang des Buches.

Mit ihrem Roman will sie keine neue Auslegung liefern, sondern sie hat "eine literarische, eine freie Geschichte [geschrieben], die sich an die Tatsachen anlehnt und sie neu interpretiert." (E-Reader, Pos. 23).

Herausgekommen ist dabei eine Handlung, die sich bei aller schriftstellerischer Freiheit gemäß der gesicherten Erkenntnisse so ereignet haben könnte.

Die Autorin lässt in den 3 Abschnitten des Buches sowohl fiktive als auch reale historische Personen auftreten - eine Auflistung befindet sich am Anfang.

Teil 1 schildert Kaspars Leben von seiner Geburt im Jahr 1812 bis 1828. Dieser Abschnitt ist komplett fiktiv. Theorien darüber, was in dieser Phase passiert sein könnte, befinden sich im Anhang.
Der 2. Teil (1828 - 1831) behandelt seine Zeit in Nürnberg und
Teil 3 (1831 - 1833) die Ansbacher Jahre.
Diese Kapitel lehnen sich zwar an die Tatsachen an, jedoch ist in sie auch dichterische Freiheit eingeflossen.

Fazit: Regine Kölpin ist eine sehr lesenswerte historische Romanbiografie gelungen. Liest man verschiedene Quellen über Kaspar Hauser, so stellt man fest, dass der Autorin ihr Ziel, eine literarische Geschichte zu erzählen, die sich so ereignet haben könnte, absolut gelungen ist.

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