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Rezension zu "Das Seehaus" von Kate Morton

20/03/2016 10:19 CET | Aktualisiert 21/03/2017 10:12 CET
joe daniel price via Getty Images

Der Landsitz "Loeanneth" (deutsch: "Das Seehaus") in Cornwall gehört seit Generationen der Familie deShiel. Hier hilft die 16-jährige Alice Edevane - Enkelin von Henri und Constance deShiel - im Jahr 1933 in freudiger Erwartung bei den Vorbereitungen für das alljährlich stattfindende prachtvolle Mittsommernachtsfest.

Doch während sich die Gäste später amüsieren, passiert etwas Furchtbares:

Der 2 Jahre alte Theo, Alices Bruder, verschwindet spurlos.

Die Familie ist am Boden zerstört, verlässt den Landsitz für immer und zieht nach London.

Theo wird nie gefunden, sein Schicksal nie geklärt - Gerüchte und Theorien gibt es jedoch einige.

70 Jahre später legt DC Sadie Sparrow, die bei der Londoner Polizei arbeitet, nicht ganz freiwillig eine Auszeit ein, die sie bei ihrem Onkel in Cornwall nahe "Loeanneth" verbringt. Eines Morgens trifft sie beim Joggen auf das verlassene Landgut, das sofort ihre Neugier weckt.

Als sie vom mysteriösen Verschwinden des kleinen Theo erfährt, ist ihr Spürsinn erwacht, und es reizt sie herauszufinden, was damals tatsächlich passiert ist. Bei ihren privaten Nachforschungen taucht sie tief in das Schicksal der Familien deShiel / Edevane ein. Sie nimmt nicht nur Kontakt zu einem damals ermittelnden Polizisten auf, sondern lernt auch die mittlerweile 86 Jahre alte Alice Edevane persönlich kennen, die als Autorin in London lebt und "Loeanneth" geerbt hat.

Resümee:

Wie auch "Der verborgene Garten" ist dieses Buch von Kate Morton ein großer Familienroman, der sich über mehrere Generationen erstreckt. Im Fokus steht dabei in erster Linie das Schicksal von Alice und ihren Geschwistern sowie deren Eltern.

Es geht um komplexe Beziehungskonstellationen und darum, wie sich diese im Laufe der Zeit wandeln, unter anderem weil das in der Vergangenheit Erlebte die Gegenwart maßgeblich beeinflusst.

Die packende Handlung um die Familien deShiel / Edevane und das Verschwinden des jüngsten Sprosses steht in langen Strecken einem Krimi in nichts nach.

Durch den Prolog glaubt der Leser bereits eine ziemlich konkrete Vorstellung von dem zu haben, was in jener Mittsommernacht des Jahres 1933 passiert ist - sie reicht jedoch bei Weitem nicht an die Realität heran.

Auf 3 Zeitebenen - 1911 bis 1914, 1931 bis 1933 und 2003 -, deren Episoden inhaltlich miteinander verwoben sind, erfährt man peu à peu mehr und mehr Details aus dem Leben der Protagonisten. Diese zeigen immer neue Facetten der Charaktere, beleuchten deren Verhalten aus diversen Blickwinkeln und lenken so das Augenmerk des Lesers in verschiedene Richtungen.

Auf diese Weise entsteht am Schluss schließlich ein komplexes Gesamtbild.

Alle drei Handlungsebenen durchzieht thematisch das Eltern-Kind-Verhältnis, sei es in Bezug auf die Familie deShiel / Edevane, Sadie Sparrows letzten Fall oder ihr eigenes Schicksal.

Jedoch sind es ziemlich viele Zufälle, die das Geschehen vorantreiben, und ob der Schluss konstruiert oder als Fügung des Schicksals betrachtet werden kann, darüber kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein.

Die Sprache ist sehr bildhaft, die Autorin verliert sich oft in detaillierten Beschreibungen. Das habe ich auf der einen Seite manchmal als langatmig, ermüdend empfunden, auf der anderen Seite als grandios - zum Beispiel, wenn durch dieses Stilmittel der Landsitz "Loeanneth" zum Leben erwacht, man zum Beobachter wird, der das Schicksal der Familien deShiel / Edevane von einem Logenplatz aus hautnah miterlebt.

Fazit: ein packender Familienroman!

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