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Rezension zu "Das Scherbenhaus" von Susanne Kliem

15/03/2017 08:15 CET | Aktualisiert 15/03/2017 08:16 CET

Die im niedersächsischen Stade lebende Carla Brendel fühlt sich bedroht: Seit einiger Zeit schickt ihr jemand immer wieder Fotos mit angsteinflößenden Motiven. Die Arbeit im Restaurant ihres Schwagers lenkt sie ab, und ansonsten ist Freundin Jule immer für sie da.

Eines Tages meldet sich nach langer Zeit wieder einmal ihre Halbschwester Ellen telefonisch bei ihr. Die renommierte Architektin lebt in Berlin in der von ihr selbst entworfenen und mit modernster Sicherheitstechnik ausgestatteten Wohnanlage "Safe Haven". Sie bittet Carla eindringlich, so schnell wie möglich zu ihr zu kommen, da es etwas Dringendes zu besprechen gebe.

Carla macht sich sofort auf den Weg. Bei einem gemeinsamen Restaurantbesuch am ersten Abend bittet Ellen ihre Schwester, dass sie für den Fall, dass ihr etwas passiere, nicht an einen Unfall glauben solle. Einen offenbar wichtigen Brief kann sie ihr nicht mehr aushändigen, denn sie erhält einen Anruf und verlässt das Lokal ohne zurückzukehren.

Ein paar Tage später wird Ellens Leiche gefunden, und tatsächlich geht die Polizei von einem tragischen Unglücksfall unter Alkoholeinfluss aus. Nicht nur wegen der Bemerkung ihrer Schwester hat Carla Zweifel an dem Untersuchungsergebnis.

Sie fragt sich:

Von wem und warum fühlte sie sich bedroht? Was wollte sie ihr unbedingt so schnell wie möglich mitteilen und welche Rolle spielt der besagte Brief? Außerdem verhalten die anderen Hausbewohner sich eigenartig, es scheint im "Safe Haven" ganz eigene Regeln des Zusammenlebens und undurchschaubare Beziehungsgeflechte zu geben.

Carla will der Sache auf den Grund gehen.

Resümee:

Die Handlung des Buches ist sehr spannend. Das liegt vor allem daran, dass die Situation im "Safe Haven" für Carla und somit auch für den Leser immer undurchschaubarer, die Atmosphäre immer beklemmender und düsterer wird. Welches Geheimnis - oder sind es sogar mehrere? - teilen die Mitbewohner? Welche Rolle spielen sie, vor allem Milan, bei dem alle Fäden zusammenzulaufen scheinen? Fühlte sich Ellen von jemandem bedroht? Warum musste sie sterben?

Wird Carla womöglich das gleiche Schicksal erleiden? Sie möchte den Tod ihrer Schwester aufklären und ist davon überzeugt, dass der Schlüssel dazu bei den Mietern und in der Beantwortung der o.a. Fragen liegt. Während sie beobachtet und Fragen stellt, wird das mit hochmoderner Technik ausgestattete "Safe Haven" immer mehr zum "unsicheren Hafen", bis zum Schluss schließlich alles in Scherben liegt (Buchtitel).

In Anbetracht der kontinuierlich steigenden Dramatik fand ich die Auflösung dann vergleichsweise schwach:

Zentrales Thema sind zwei Beziehungsgeflechte, zwischen denen es Berührungspunkte gibt, wie sich herausstellt: das der Personen in Carlas Stader Umfeld sowie das der Mieter in der Berliner Wohnanlage. Letzteres wird nach und nach von der jungen Frau freigelegt. Allerdings sind hier die Abhängigkeits- und Machtverhältnisse für mich in der geschilderten Intensität zum Teil nicht nachvollziehbar, und somit ist auch manchmal das Verhalten der Personen nicht verständlich. Einiges wirkt zu konstruiert.

Die Motivation Milans für seine Haltung und sein Auftreten anderen gegenüber blieb für mich zu vage, war nicht deutlich genug konturiert und

auf den Punkt gebracht.

Fazit: ein spannender Thriller, wobei das Herausarbeiten des "Psycho-"Anteils allerdings nur mäßig geglückt ist.

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