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Rezension zu "Das Monster des Prinzen" von Savannah Lichtenwald

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In der Pubertät wird Philip klar, dass er schwul ist, und es dauert nicht lange, da bekommt es auch sein Klassenkamerad David mit. Dieser ist im Gegensatz zu dem schmächtigen Philip muskulös gebaut und hat eine ihm ergebene Gefolgschaft Gleichaltriger um sich. Zusammen tyrannisieren sie den "Knochenhaufen" und "Schwanzlutscher", machen ihm das Leben zur Hölle.

Nach der Schule trennen sich ihre Wege:
Philip arbeitet im Café seiner Mutter, das er nach deren Rückzug führt. Wegen seiner Homosexualität und aufgrund der Erfahrungen während der Schulzeit hat er Komplexe. Sein erster Sexualpartner und Freund begeht einen schweren Vertrauensbruch.

David hingegen landet über mehrere Stationen in Texas, wo er zuletzt eine Gefängnisstrafe verbüßen muss. Er schleppt in Bezug auf Philip Schuldgefühle mit sich herum und entwickelt einen Selbsthass. Und: Er stellt fest, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Das Bild von Philip begleitet ihn ständig.

Auch dieser denkt während der 6-jährigen Trennung oft an seinen ehemaligen Klassenkameraden, sehnt sich sogar nach ihm.

Dieser kommt schließlich völlig "abgerissen" in seinen Heimatort zurück. Doch bis beide Männer zueinanderfinden und von ihrem Umfeld akzeptiert werden, ist es ein weiter Weg.

Resümee:
Zentrales Thema dieses Romans ist die Entwicklung der Beziehung zwischen David und Philip. In der Schule demütigender Tyrann und entwürdigtes Opfer, können sie einander während der langen räumlichen Trennung nicht vergessen, mehr noch: Sie fühlen sich gedanklich und körperlich zueinander hingezogen. Wieder im gleichen Ort lebend, ist es schwer, aufeinander zuzugehen.

Savannah Lichtenwald schildert den komplizierten Annäherungsprozess über eigene innere Konflikte und Anfeindungen von außen hinweg.

Sehr sensibel und differenziert setzt sich die Autorin mit Homosexualität und Partnerschaft sowie der Akzeptanz des Andersseins seitens Betroffener, Familie und Mitmenschen auseinander.

Das innere Erleben der beiden Hauptpersonen erfährt der Leser durch einen kapitelweise alternierenden Perspektivwechsel: Abwechselnd wird eine Situation aus Sicht Philips und Davids erzählt. Das offenbart ihre ganz individuellen Gedanken, Ängste und Sorgen, aber auch ihre positiven Emotionen, macht den schwierigen Annäherungsprozess deutlich.

Der Leser weiß lange selbst nicht, ob sich zwischen den beiden Männern eine Partnerschaft entwickeln kann, ob die Beziehung den Belastungen aus der Vergangenheit und den Anfeindungen von außen standhält. Das bleibt bis zum Schluss offen und somit spannend.

Fazit:
ein emotionaler "Entwicklungsroman".

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