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Rezension zu "Das Geheimnis der Heilerin" von Dagmar Holler

17/03/2016 13:31 CET | Aktualisiert 18/03/2017 10:12 CET

Tübingen im Jahr 1525: Als die Henkerstochter und Heilerin Elisa und der angesehene Patrizier Matthias Eggenberger sich kennenlernen, finden sie ineinander die Liebe ihres Lebens. Wegen der schändlichen Herkunft der jungen Frau ist eine legale Beziehung jedoch unmöglich. Beide beschließen daher, nach Augsburg zu fliehen und sich dort unerkannt eine neue, gemeinsame Existenz aufzubauen.

Während Matthias unter seinem Stand - er wurde vom Vater wegen der Beziehung zur Henkerstochter enterbt - in einem Handelshaus arbeitet, hilft Elisa engagiert den Kranken im Armenviertel, zu denen sie sich meist im Schutz der Dunkelheit begibt.

Beide werden von den Augsburgern geachtet, und als Söhnchen Johannes geboren wird, ist ihr Glück perfekt.

Doch eines Tages im Jahr 1528 erkennt ein aus Tübingen angereister Schurke Elisa. Er will Rache für das, was ihr Vater ihm angetan hat, deckt ihre schändliche Herkunft auf und zeigt sie beim Rat der Stadt wegen Hexerei an. Die Beweise hierfür hat er fingiert.

Elisa wird verhaftet, eingekerkert und in einem Hexenprozess zum Tode verurteilt.

Doch Matthias und ihr Wohlgesonnene setzen alles daran, um das Leben der Frau zu retten.

Ein zweiter Handlungsstrang dreht sich um Amelinde, die couragierte Tochter eines Augsburger Geschützgießermeisters. Sie hilft nicht nur ihrem Vater bei der Arbeit, sondern steht auch selbstbewusst mit beiden Beinen im Leben. In dem Gesellen Eckehard findet sie einen liebevollen Gefährten.

Elisa und Amelinde - zwei starke Frauen, die ihren Weg gehen, aufeinander treffen und sich anfreunden.

Resümee:

Dieser historische Roman lässt das Leben im Mittelalter vor dem Auge des Lesers auferstehen! Lebendige Bilder erscheinen vor seinem geistigen Auge - situationsangemessen mal farbenprächtig heiter, mal bedrückend düster, honorig sachlich oder grausam brutal.

Das Handlungs- und Themenspektrum ist breit gefächert. Da geht es zum Beispiel ums Arbeits- und Alltagsleben, das Stadt- und Zunftwesen, Standesdenken und Bürgerrechte, Heilkunde, Turniere, den Umgang mit Andersgläubigen, Gefängnis, Hexenprozess und Folter, aber auch um Verrat versus Loyalität und bedingungslose Liebe.

Dabei hat die Autorin umfangreiche Recherche-Arbeit betrieben - in Anbetracht der großen Themenvielfalt eine hervorragende Leistung!

Und auch Vokabular und Ausdrucksweise in den Dialogen sind dem Duktus des gerade ausgeklungenen Spät-Mittelalters angepasst. Obwohl das meiste aus dem jeweiligen Kontext heraus selbsterklärend ist, wäre ein Glossar möglicherweise sinnvoll - insbesondere für Leser, die mit den Begrifflichkeiten der damaligen Zeit nicht vertraut sind.

Die Handlung hat für mich zum Teil ein paar Überlängen, besonders dann, wenn es um Variationen des Fluchtthemas bezüglich Matthias und Elisa geht.

Fazit: ein fulminanter historischer Roman, der einen umfangreichen Einblick in das Leben der damaligen Zeit gibt.

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