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Rezension zu "Abgründe" von Josef Wilfing

29/11/2017 09:15 CET | Aktualisiert 29/11/2017 09:15 CET

Josef Wilfing (*1947) begann 1966 seinen Dienst bei der bayrischen Polizei und ging 2009 als Kriminaloberrat in Pension.

Einige seiner Erfahrungen bei der Münchner Mordkommission hat er in diesem Buch aufgeschrieben.

Es ist in 10 Kapitel unterteilt:

Je einen Fall schildert er ausführlich unter den Überschriften

• Grausamkeit

• Heimtücke

• Gemeingefährlich [sic]

• Verdeckung

Drei Tatmotive stellen

• Mordlust

• Wollust [sic]

• Habgier

dar.

In den jeweiligen Kapiteln beschreibt der Autor Fälle aus der Gruppe der niederen Beweggründe.

Allgemeine, mit vielen Beispielen angereicherte Ausführungen finden sich zu

• Töten Frauen anders als Männer?

• Perversitäten

• Leichenzerstückelung

Resümee:

Der Autor möchte seine Ausführungen moralisch, psychologisch und juristisch wertfrei verstanden wissen und beleuchtet bewusst kaum die Ursachen, warum Menschen zu Mördern werden.

Stattdessen erzählt er anhand der Fälle vor allem von der Arbeit der Mordkommission, indem er Auffindesituation von Leichen, Ermittlungstätigkeit, Rekonstruktion des Tathergangs, Festnahme, Zeugenbefragung und Verhör genau beschreibt. Gelegentlich bekommen dabei insbesondere Juristen, Gesetzgebung und Staatsanwaltschaft einen Seitenhieb verpasst - Wertfreiheit hin oder her.

Wenn der Leser manchmal die tiefenpsychologischen Ursachen, die zu den Taten geführt haben, erahnen kann, ist das der Detailgenauigkeit bei der Beschreibung des Täterprofils zu verdanken.

Besonders interessant waren für mich die Ausführungen zu Delikten, bei denen der Täter keine verwertbaren Spuren am Tatort hinterlassen hat, es keine Zeugen gibt und auch das Opfer - sofern es überlebt hat - so gut wie keine sachdienlichen Hinweise geben kann. Es war für mich unter diesen Voraussetzungen jedes Mal erstaunlich, dass und wie der betreffende Fall dennoch aufgeklärt und ein Täter dingfest gemacht werden konnte.

Die Schilderungen sind allesamt spannend und lebendig geschrieben, wenngleich der Autor nicht der Sprachgewandteste und der Schreibstil daher manchmal ein wenig holprig ist.

Das durchschaubare Bemühen, einen interessanten Plot anzulegen, geht gelegentlich ein wenig zulasten des Verständnisses.

Ein paar inhaltliche Unstimmigkeiten sind lässlich.

Ich hatte bei der Lektüre oft den Eindruck, dass der Autor das Buch eigentlich nicht für eine bestimmte Leserschaft geschrieben hat, sondern um der eigenen Verarbeitung willen und um sich selbst ein Denkmal zu setzen.

Fazit: trotz einiger "Schönheitsfehler" eine interessante, spannende Lektüre.

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