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Rezension "Trügerische Nähe" von Susanne Kliem

20/09/2015 12:14 CEST | Aktualisiert 20/09/2016 11:12 CEST

Zwei Paare in den Vierzigern - Marlis und Johannes sowie Nora und Alexander mit Sohn Lukas - restaurieren einen Bauernhof vor den Toren Berlins. Sie wollen von der Großstadt aufs Land ziehen und damit ihren Traum von einem idyllischen, naturnahen Leben verwirklichen.

Während der gemeinsamen Einweihungsfeier, bei der auch eine Nachbarin anwesend ist, steht plötzlich Livia auf dem Hof. Sie ist Marlis' Tochter aus erster Ehe und studiert an einer renommierten Münchner Schauspielschule.

Alle sind überrascht über den unerwarteten Besuch außerhalb der Ferienzeit, aber die Erklärung der 20-Jährigen beschränkt sich zunächst auf die Aussage, dass sie nicht zurückkehren könne. Sie wirkt verzweifelt und ruhelos. Aber niemand kommt an die junge Frau heran, obwohl sich alle ihretwegen - sehr unterschiedliche - Gedanken machen.

Im Laufe der nächsten Zeit nistet sie sich regelrecht in den Köpfen der Hofbewohner und Nachbarn ein. Dabei setzt sie eine nicht zu stoppende Dynamik in Gang, die schließlich in einer Katastrophe endet - der Traum vom harmonisch-beschaulichen Landleben verwandelt sich immer mehr in einen mörderischen Albtraum.

Resümee:

Dieser Krimi liefert nahezu von Anfang an Hochspannung. Der Leser ahnt bei Livias "Auftritt" während der Einweihungsfeier sofort, dass mit ihr etwas nicht stimmt, sie etwas verbirgt. Und bereits nach wenigen Kapiteln ist man absolut sicher, dass der "große Knall" zwangsläufig kommen muss. Man weiß zwar nicht wann und in welcher Form er sich entladen wird, sieht das Unheil aber unaufhaltsam nahen.

Als gegen Ende des Buches dann eine Leiche gefunden wird, ist klar, dass der Täter unter den Hofbewohnern oder Nachbarn zu suchen sein muss. Es haben aber so viele von ihnen ein Motiv, dass der Leser wirklich nicht sagen kann, wer der Täter ist.

Der Schwerpunkt des Romans liegt auf der psychologischen Ebene: Die Handlung wird durch die immer stärker aufbrechenden zwischenmenschlichen Konflikte bestimmt. Sie eskaliert in dem Maße, wie Livia sich in den Köpfen aller einnistet, bis es schließlich zum totalen Kollaps kommt.

Hervorragend gelungen ist in dem Zusammenhang auch die Analogie zwischen Livias Verhalten und dem Leben von Parasiten: Sie nisten sich bei ihrem Wirt ein, leben auf seine Kosten und beeinflussen sein Leben. Im Extremfall können sie ihn trotz Anpassung und / oder gezielter Abwehrmechanismen nach einiger Zeit sogar vernichten.

Erzählt wird die Handlung vor allem aus Noras und Livias Perspektive, gelegentlich auch aus Johannes`und Boris' Sicht. Die anderen Protagonisten sieht der Leser durch deren "Brille".

Fazit: ein Kriminalroman, dem auch die Bezeichnung "Psychothriller" gerecht werden würde.

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