BLOG

Rezension "Stille Nacht, grausige Nacht" von Friederike Schmöe

13/10/2015 18:15 CEST | Aktualisiert 13/10/2016 11:12 CEST

Trisha Seling steht als Journalistin permanent im Schatten ihrer namhaften Eltern und des berühmten Großvaters - alle drei haben einen exzellenten Ruf als Publizisten. Sie selbst ist im Vergleich zu ihnen glück- und erfolglos, nach Ansicht ihrer Altvorderen fehle ihr bei einem zu großen Phlegma der nötige Biss.

Auch die jüngste "Causa Faber" konnte ihr nicht zum beruflichen Durchbruch verhelfen:

Auf dem Rechner des Politikers Ron Faber wurde kinderpornographisches Material gefunden. Fall und Prozess erregten naturgemäß großes Aufsehen, aber nach der Präsentation eines "Bauernopfers" wurde er schließlich freigesprochen.

Dieser glückliche Ausgang wurde am 4. Dezember im Hause Faber groß gefeiert, Trisha und ihre ehrgeizige Freundin Lusya waren ebenfalls anwesend - beide kennen sich seit ihrem ersten gemeinsamen Tag des Journalistik-Studiums.

Im Laufe der Party jedoch ging es Trisha plötzlich so elend, dass Lusya sie heimbringen musste. Währenddessen kam es im Haus der Gastgeber zu einem Blutbad. Der Täter war schnell ermittelt.

Für Trisha ist "der Fall Faber" damit abgeschlossen, nicht jedoch für Lusya. Sie will unbedingt noch weiter recherchieren und erhält von ihrer Freundin sämtliche Unterlagen, bevor diese am 23. Dezember mit dem Auto in Leipzig aufbricht, um zu ihrem verwitweten Vater nach Nürnberg zu fahren.

Doch im dichten Schneetreiben gerät sie kurz vorm Ziel auf der Autobahn in einen Stau. In der Hoffnung, über die Landstraße schneller voranzukommen, fährt sie ab, hat jedoch bald eine Panne und kehrt zwangsweise in einem einsamen Hotel ein.

Hier fällt ihr an der Rezeption ein Manuskript in die Hände, das sie neugierig zu lesen beginnt. Es schildert zu Trishas maßlosem Erstaunen und Entsetzen ihre eigene Geschichte und endet mit der Androhung, dass sie noch in der gleichen Nacht sterben werde.

Trisha kann sich beim besten Willen nicht erklären, wer ihr aus welchem Grund nach dem Leben trachten könnte. In Panik flieht sie aus dem unheimlichen Hotel - ein nicht enden wollender Albtraum hat begonnen.

Resümee:

Dieses Buch verdient die Bezeichnung "Thriller" völlig zu Recht: In Anlehnung an seinen Untertitel gefriert dem Leser das Blut in den Adern, wenn er Trisha auf ihrer Flucht begleitet - fast genauso atemlos wie sie selbst.

Die Handlung setzt sich aus 2 alternierenden Strängen zusammen:

Der eine spielt in der Vergangenheit und dreht sich um die "Causa Faber", also um alles, was mit der Anklage des Politikers, seinem Prozess, den journalistischen Recherchen usw. zu tun hat. Die Ereignisse erfahren wir durch gedankliche Rückblenden Trishas.

Der andere schildert den 23. Dezember, wie die Journalistin ihn erlebt: zunächst ihre Fahrt über die Autobahn, dann die Panne auf der Landstraße und Einkehr in dem suspekten Hotel, vor allem aber ihre Flucht vor unbekannten Verfolgern, die ihr nach dem Leben trachten.

Beide Stränge laufen immer mehr zusammen, bis sie schließlich zu einem einzigen werden. Dabei wird dem Leser immer deutlicher, wer hinter der gesamten Aktion stecken muss - es ist, als ob sich der die Sicht behindernde anfängliche starke Schneefall immer mehr lichtet und den Blick aufs Ganze freigibt.

Die endgültige Klarheit erfolgt jedoch erst zum Schluss. Und zu guter Letzt wird es sogar noch ein wenig weihnachtlich romantisch: Nach der temporeichen "grausigen Nacht" folgt abschließend die friedliche, erholsame "stille Nacht".

Gegenüber anderen Weihnachts- und Winterkrimis finde ich es ausgesprochen wohltuend, dass es sich bei Titel und Untertitel nicht um einen billigen Verkaufskniff handelt: Das Gegenwartsgeschehen um Trishas Verfolgung kann nämlich tatsächlich so nur im Winter stattfinden!

Fazit: wie bei Friederike Schmöe gewohnt, wieder ein hervorragend von A - Z durchdachter, spannender Krimi.

241 Rezensionen von 174 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:

http://www.annette-traks.com

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Polizist gibt sich als Behinderter aus, um Kriminelle zu fassen - doch erlebt etwas Wundervolles

Hier geht es zurück zur Startseite