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Rezension "Spreewaldgrab" von Christiane Dieckerhoff

25/01/2016 13:05 CET | Aktualisiert 25/01/2017 11:12 CET
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Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten, der eine lange Krankheitsphase folgte, hat sich Polizistin Klaudia Wagner vom Ruhrgebiet nach Lübbenau im Spreewald versetzen lassen. Bald bekommt sie dort ihren ersten Fall:

Ein erfolgreicher Unternehmer ist in einem einsam gelegenen Wochenendhaus ermordet worden, seine junge Geliebte spurlos verschwunden.

Während Klaudia und ihr Kollege, der Halbvietnamese Thang, recherchieren, findet die Kommissarin im nahen Wald ein vergrabenes Skelett. Wird es gelingen, die Identität der Leiche festzustellen? Hängen beide Todesfälle vielleicht sogar zusammen?

Überlagert werden die schwierigen Ermittlungen durch die privaten und gesundheitlichen Probleme Klaudias, und auch ihr Einstand in der neuen Dienststelle gestaltet sich alles andere als konfliktfrei. Denn einige im Team stehen der Neuen sehr skeptisch gegenüber, beobachten sie genau.

Während jemand sie sogar zu mobben scheint, hat sie auf der anderen Seite einen anonymen Rosenkavalier.

Hinzukommt, dass auch die jeweilige private Situation ihrer Kollegen Thang und Uwe (bei ihm und seiner Familie wohnt sie) sehr belastend ist, sich auf Stimmung und Arbeit auswirkt.

Resümee:

Dies ist der erste Band der Autorin mit Klaudia Wagner als Ermittlerin. Ich stehe ihm zwiespältig gegenüber:

Das Geschehen plätschert am Anfang sachte dahin, dreht sich vorwiegend um Klaudias private Situation und die ihrer Vermieter - Kollege Uwe, seine schwangere Frau und die beiden Kinder.

Doch es lohnt sich weiterzulesen, denn mit fortschreitender Handlung wird diese immer spannender, gipfelt zum Schluss in einem rasanten Showdown.

Spannung wird auch dadurch erzeugt, dass die Story und Zusammenhänge meist genauso undurchschaubar sind wie die meisten Figuren, seien es Kollegen, Familienangehörige des ermordeten Unternehmers oder andere am Geschehen Beteiligte. Das lässt viel Raum für eigene Spekulationen.

Dabei hat die Autorin es hervorragend verstanden, während des gesamten Verlaufs Spuren zu legen - aber so gekonnt versteckt, dass sie weder den Ermittlern noch mir als solche aufgefallen sind. Erst am Schluss fügt sich alles logisch zusammen, und man sieht, wofür man bis dahin blind gewesen ist.

Eingefügt in den Handlungsverlauf sind immer wieder Episoden über eine in Gefangenschaft gehaltene verzweifelte Frau. Sie könnten der Spannung dienlich sein, in der Häufung werden sie jedoch in dem Maße, wie der Hauptstrang an Dramatik zunimmt, immer langweiliger und stören zuletzt nur noch.

Thangs, Uwes, vor allem aber Klaudias Privatleben mit den jeweiligen Problemen ist zwar interessant, steht mir aber ebenso wie ihr nach wie vor vorhandener Hörsturz zu sehr im Mittelpunkt und überlagert zeitweise die Ermittlungstätigkeit. Auch hier wäre weniger wesentlich mehr gewesen.

Last but not least erschließt sich mir die "außergewöhnliche Sprache" nicht, mit der das Buch beworben wird.

Fazit: für den ersten Fall um Klaudia Wagner recht respektabel, aber mit viel Luft nach oben.

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