BLOG

Rezension "On se left you see se Siegessäule" von Tilman Birr

16/11/2015 17:42 CET | Aktualisiert 16/11/2016 11:12 CET

Protagonist Tilman hat gerade sein Universitätsstudium der Geschichtswissenschaften abgeschlossen. Doch der Historiker fühlt sich mit Ende 20 aus verschiedenen Gründen noch nicht dazu bereit, einer anstrengenden, geregelten Berufstätigkeit nachzugehen.

Doch von irgendetwas muss man ja leben, und der Job als Stadtbilderklärer - die Bezeichnung Stadtführer ist politisch nicht korrekt! - scheint ihm ideal: "Quatschen" und einen Text runterreden, das kann er prima. Er heuert auf einem Berliner Ausflugsschiff an, das einstündige Touristen-Touren auf der Spree macht.

Doch so einfach und problemlos, wie Tilman sie sich vorgestellt hat, ist die Tätigkeit wahrlich nicht:

• Da droht ihm gewaltiger Ärger, weil er pflichtgemäß eine heftig dagegen protestierende Senioren-Gruppe wegen eines drohenden Hagelsturms unter Deck verfrachtet hat, der dann aber "leider" ausblieb.

• Welche Kommunikationsform wählt man bei einem Ur-Bayern, der offenbar weder des Deutschen noch des Englischen mächtig ist - und andere Sprachen beherrscht nun wiederum Tilman nicht?!

• Wie geht man mit nervenden, notorischen Besserwissern um?

• Kann man aus einer extrem gelangweilten oberfränkischen Schülergruppe begeisterte Berlin-Fans machen? Tilman schafft das!

• Asiatische Touristinnen beharren hartnäckig darauf, dass er ein Drogendealer sein müsse; da braucht es mehr als eine schlichte Richtigstellung.

• Die Beantwortung heikler und zum Teil völlig abwegiger politischer Fragen erfordert oft weniger Wissen als vielmehr Phantasie.

• Wie verhält man sich, wenn man sich als Privatperson unversehens in einem Swinger-Club wiederfindet und dort einen Kollegen trifft, der sich zudem auch noch extrem merkwürdig verhält?

Dies ist nur ein Bruchteil der Situationen, die zum täglichen Brot des Stadtbilderklärers gehören, und an denen Tilman die Leser teilhaben lässt.

Wir erfahren auch einiges aus seinem privaten Alltag, seine Ansichten über das Leben im Allgemeinen und Besonderen und natürlich eine ganze Menge Wissenswertes über die Sehenswürdigkeiten entlang seiner Spree-Tour.

Resümee:

Humorvoll und amüsant schildert der Autor die Erlebnisse des Stadtbilderklärers Tilman.

Als jemand, der privat und beruflich an etlichen Stadtführungen teilgenommen hat, hatte das Buch für mich einen sehr hohen Wiedererkennungswert, und ich habe mich - nun mit der nötigen Distanz - köstlich amüsiert.

Neben dem Inhalt hat daran die Sprache einen entscheidenden Anteil:

Locker, mit viel Wortwitz und der berühmt-berüchtigten Berliner Schnauze erzählt der Autor die einzelnen kurzen Episoden.

Englische Passagen sind nicht übersetzt, aber auf Grund des Kontextes auch für die Leser verständlich, deren Schulenglisch schon einige Zeit zurückliegt.

Zwar erfährt man auch viele Fakten über die Sehenswürdigkeiten entlang Tilmans einstündiger Spree-Route, ein Reiseführer ist dieses Buch jedoch nicht.

Fazit: Die "Erlebnisse eines Stadtbilderklärers" liefern kurzweilige Unterhaltung, die in ihrer komisch-unterhaltsamen Form und der gelegentlich durchscheinenden Gesellschaftskritik manchmal durchaus kabarettistische Züge trägt.

Achtung: Von der Lektüre dringend abzuraten ist Leuten, denen der Sinn für

Humor fehlt und die jedes Wort auf die Goldwaage legen, jeden Aussspruch auf Political Correctness überprüfen!

246 Rezensionen von 179 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:

http://www.annette-traks. com

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite