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Rezension "Kalter Hauch" von Claudia Vilshöfer

17/04/2014 09:04 CEST | Aktualisiert 17/06/2014 11:12 CEST

Martin und Cornelius kennen sich aus ihrer Jugend, die sie in Lüneburg verbracht haben. So grundverschieden beide in Bezug auf Wesen und Elternhaus sind, verliebten sie sich damals zur gleichen Zeit in die Musikstudentin Sofia. Beide zeigten der jungen Frau ihre Zuneigung auf ganz unterschiedliche Weise, doch die „Dreierbeziehung" endete in einer Tragödie. Danach sahen sich die Männer fast 20 Jahre lang nicht mehr, bis sie nun in Hamburg scheinbar zufällig wieder aufeinandertreffen:

Martin arbeitet als Skipper und hat für seine Liebe zum Meer und zur Seefahrt schweren Herzens auf eine feste Beziehung verzichtet. Cornelius dagegen praktiziert an der Hamburger Binnenalster als Schönheitschirurg und lebt mit Nadja zusammen, die Sofia verblüffend ähnlich sieht.

Zu ihrem 30 Geburtstag möchte er ihr einen gemeinsamen Segeltörn auf einer eigens zu diesem Zweck bereits gekauften Luxus-Jacht schenken - mit Martin als Skipper.

Dieser zögert zunächst, hat Bedenken wegen ihrer dunklen Vergangenheit; er spürt instinktiv, dass es besser wäre, sich von Cornelius auch weiterhin fernzuhalten. Andererseits hat er zur Zeit keine Verpflichtungen und kann die in Aussicht gestellte großzügige Heuer gut gebrauchen. Er nimmt den Auftrag schließlich an und beginnt, einen dreiwöchigen Törn mit Cornelius und Nadja im westlichen Mittelmeer auszuarbeiten.

Viel zu spät erkennt Martin während der Reise, dass er Teil eines mörderischen Plans ist und die weit zurückliegenden Ereignisse keineswegs verarbeitet sind. Doch auch Nadja hat diese Reise nicht unvorbereitet angetreten und verfolgt ganz eigene Ziele.

Eine Katastrophe ist nicht mehr abzuwenden.

Resümee:

Dieses Werk wird der Bezeichnung „Psychothriller" absolut gerecht und auch der Titel könnte nicht treffender sein: Ein „kalter Hauch" streift nicht nur immer wieder die Protagonisten, sondern lässt auch den Leser erschauern.

Schon gleich am Anfang, bei der ersten Begegnung der beiden Männer nach 20 Jahren, ist eine Spannung zwischen ihnen spürbar, die ahnen lässt, dass sie damals keineswegs im Guten auseinandergegangen sind, ja mehr noch, dass etwas Schreckliches passiert sein muss, das noch längst nicht verarbeitet ist.

In dem Maße, wie dann während des Mittelmeer-Törns immer mehr Details aus der Vergangenheit aller Beteiligten offenbart und die Geschehnisse aufgedeckt werden, nimmt auch die Schilderung jüngerer Ereignisse - besonders die Beziehungsgeschichte von Cornelius und Nadja betreffend - an Fahrt auf. Beide Handlungsstränge nähern sich unaufhaltsam, münden in der Gegenwart und steuern unweigerlich auf eine erneute Katastrophe zu, bei der es um Leben und Tod geht. Dies wird dadurch forciert, dass sich Martin auch diesmal in Nadja, Cornelius' Frau, verliebt und sich die „Dreiecks-Beziehung" von einst zu wiederholen scheint.

Eine ganz besondere Dramatik erhält das Geschehen dadurch, dass es auf einer Segeljacht im Mittelmeer angesiedelt ist, wodurch die Ausweglosigkeit vorprogrammiert ist.

Man kann das Gänsehaut-Feeling beim Lesen übrigens noch steigern, wenn man während der Rückblenden als Hintergrund-Musik die 5. Cello-Sonate von Beethoven laufen lässt, die Sofia so sehr liebte und mit Hingabe spielte.

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