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Rezension "Italienische Nächte" von Katherine Webb

31/08/2015 09:58 CEST | Aktualisiert 31/08/2016 11:12 CEST

1921: Die 28-jährige Clare Kingsley reist mit ihrem 15 Jahre alten Stiefsohn von England ins süditalienische Apulien, um dort den Sommer bei ihrem Mann Boyd zu verbringen. Der Architekt arbeitet dort bereits seit einiger Zeit für den Besitzer eines Landgutes, um Pläne für dessen Haus zu entwerfen. Boyd ist überglücklich über Clares Anwesenheit, klammert sich geradezu an sie. Doch die Frau merkt sehr bald, dass etwas nicht stimmt:

Zum einen zeigt ihr Mann die gleichen manisch-depressiven Symptome wie bereits vor 7 Jahren, nach dem Tod seiner ersten Frau. Und er scheint etwas zu verheimlichen.

Zum anderen hat sie den Verdacht, dass die betont freundlich-fröhliche Fassade, die ihr Gastgeber und seine Frau ihnen gegenüber zeigen, nicht so heil ist, wie es scheint.

Clare fühlt sich überhaupt nicht wohl, hat ständig das Gefühl einer latenten Bedrohung und beobachtet ihr Umfeld misstrauisch.

Eines Tages wird der Tagelöhner Ettore, ein Neffe des Grundbesitzers, schwer verletzt auf den Hof getragen, um Hilfe zu bekommen. Er wird dort gepflegt, und Clare und er fühlen sich trotz der unterschiedlichen Welten, in denen sie leben, stark zueinander hingezogen.

Die Konflikte sind auf vielen Ebenen vorprogrammiert.

Resümee:

Der Roman führt den Leser in das Süditalien des Jahres 1921, kurz nach dem Krieg. Eingebunden in eine spannende und oft dramatische Handlung, stellt die Autorin die Unterschiede zwischen Arm und Reich scharf konturiert gegenüber:

Auf der einen Seite ein Leben mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten auf dem Grundbesitz von Boyds Auftraggeber, auf der anderen Seite das entbehrungsreiche, von der Sorge um die pure Existenz geprägte Dasein der sozial schwachen Schicht.

Die Handlung wechselt kapitelweise zwischen Clares und Ettores Perspektive, stellt dabei deren jeweilige Probleme, Ängste und Sorgen in den Mittelpunkt, bis zum Schluss beide Ebenen ineinanderfließen.

Die zentralen Fragen drehen sich darum, was mit Boyd los ist: Was hat nach vielen Jahren wieder eine manisch-depressive Phase in Italien ausgelöst? Ist seine Beziehung zum Gastgeber wirklich ausschließlich beruflicher Natur oder verbindet sie noch etwas anderes? Warum will der Grundbesitzer auf alle Fälle verhindern, dass Clare und ihr Stiefsohn nach England zurückkehren?

Auch was die Verbindung zwischen Clare und Ettore anbelangt, fiebert der Leser bis zum Schluss mit.

Fazit: Wie auch schon Katherine Webbs Roman "Das fremde Mädchen" ist dies ein spannendes Buch voller Dramatik, das in der Kulisse eines von großen sozialen Unterschieden geprägten Apuliens des Jahres 1921 spielt.

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