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Rezension "Inselblut" von Bent Ohle

28/09/2015 12:01 CEST | Aktualisiert 28/09/2016 11:12 CEST

Anita Bohn selbst war diejenige, die den gemeinsamen Urlaub mit Mann und Kind auf der Insel Amrum gebucht hatte. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft im traditionsreichen Norddorfer "Hotel Petersen" verschwindet sie nachts während eines Spaziergangs zum Strand spurlos.

Ein Großaufgebot an Suchmannschaften findet keine Anhaltspunkte für ihren Verbleib oder gar ein Verbrechen. Daher wird die Suche nach der Vermissten bald ergebnislos eingestellt.

Nils Petersen, wenig geschätzter Sohn der Hotelbetreiber, Inselpolizist und Alkoholiker wurde gerade von Frau und Tochter verlassen: Sie hat ihn mit seinem besten Freund betrogen, in dessen Haus sie nun eingezogen ist. Seine Trauer und den Frust versucht Nils Petersen in literweisem Jack-Daniel's-Konsum zu ertränken.

Ihm lässt das mysteriöse Verschwinden Anita Bohns keine Ruhe. Er ist davon überzeugt, dass sie ermordet wurde und ihre Leiche auf der Insel zu finden ist. Daher stellt er auch dann noch weitere Untersuchungen an, als die offiziellen Ermittlungen beendet sind. Damit stiftet er einige Unruhe unter den Insulanern, macht sich keine Freunde und erfährt auch von seinem Vater verstärkt Ablehnung.

Zum Schluss jedoch ist alles ganz anders als vermutet:

Nils kommt einem sorgsam gehüteten Geheimnis seiner eigenen Familie auf die Spur, das ihn zutiefst erschüttert, und ein anderes Licht auf das Verschwinden Anita Bohns wirft.

Resümee:

Im Mittelpunkt des Krimis steht Inselpolizist Nils Petersen. Ihn belasten das schlechte Verhältnis zu seinen Eltern, besonders zum Vater, und die zerrüttete Beziehung zu seiner Frau. Seinen Kummer versucht er in Jack-Daniel's-Whiskey zu ertränken. Die ausgiebige Beschäftigung mit sich und seiner bedauernswerten privaten Situation wiederholt sich immer wieder in Variationen, steht (zu) stark im Mittelpunkt und dominiert die Recherchen zum Verschwinden Anita Bohns, lenkt sogar von ihnen ab. Auf Dauer nervt das nicht nur, sondern wird langweilig.

Passagen, die sich dagegen mit der Ermittlungsarbeit zum Fall beschäftigen, sind mehr oder weniger spannend.

Nils' Nachforschungen versetzen so manchen Insulaner in Unruhe, ein Mordmotiv könnte man dem einen oder anderen durchaus andichten. Auf die zur Klärung relevanten Zusammenhänge jedoch deutet bis kurz vor Schluss absolut nichts hin - die Lösung wird "aus dem Hut gezaubert".

Als Kenner der Insel Amrum fand ich die realitätsgetreue Beschreibung der Örtlichkeiten sehr erfrischend.

Fazit: Gelegentliche Spannung und Authentizität in Bezug auf die Umgebung reichen für eine positive Bewertung dieses Buches nicht aus. Ich möchte als Leser während der gesamten Handlung peu à peu zur Lösung des Falles hingeführt werden, miträtseln können und sie nicht am Ende quasi durch einen "Deus ex Machina" präsentiert bekommen.

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