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Rezension zu "Griechische Begegnung" von Stella Bettermann

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Der Halbgrieche Nikos - genannt Nick - Zakos arbeitet als Kommissar bei der Münchner Mordkommission. Im Moment ist er vom langen kalten Winter genervt. Auch, dass er gerade mit dem Rauchen aufgehört und Beziehungsprobleme hat, verbessert seine Laune nicht. Er sehnt sich nach dem griechischen Frühling - nicht ahnend, dass sein Wunsch bald in Erfüllung gehen wird.

Denn in einem Münchner Reihenhaus wird nach einer Partynacht die Leiche der Bewohnerin gefunden.

Als Hauptverdächtiger gilt schnell der afrikanische Flüchtling Edward Kamara. Doch der hält sich nicht mehr in Bayern auf, sondern ist zwischenzeitlich nach Italien abgeschoben worden. Wie die Ortung über seine deutsche SIM-Karte ergibt, ist er mittlerweile aber nach Athen weitergereist. Dort fehlt von ihm nun jede Spur.

Daher soll sich Nick Zakos in der griechischen Hauptstadt auf die Suche nach dem Mann begeben, was sich ziemlich schwierig gestaltet.

Er genießt den griechischen Frühling, trifft erneut seine Kollegin Fani, die ihn nicht nur bei diesem Fall unterstützt, und nimmt wieder Kontakt zu seinem in Athen lebenden Vater auf.

Resümee:
So begeistert ich vom Erstlingswerk der Autorin aus dem letzten Jahr war - Griechischer Abschied - so enttäuscht bin ich vom vorliegenden Nachfolgeroman:

Nur zu einem geringen Teil geht es konkret um die Ermittlungen zum Tod der Frau aus München, sondern vor allem um das Auffinden des verdächtigen Afrikaners Edward Kamara in Athen. Das kommt einer langatmigen Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich und kann natürlich erst gegen Ende Erfolg haben.

Die einzelnen Stationen nutzt die Autorin vielmehr für längere Einlassungen zur Finanzkrise und Flüchtlingsproblematik.

So gibt es auch kaum überraschende Wendungen in Bezug auf den Fall, und die Entwicklungen in Nicks Privatleben sind von der Tendenz her vorhersehbar. Die Spannung bleibt daher auf der Strecke.

Der Schluss ist überaus "genial", denn nachdem Edward Kamara zu einer Erkenntnis gekommen ist, wird Nick von einem phänomenalen Geistesblitz getroffen, der die sofortige Aufklärung des Falles zur Folge hat.

Auch die Unterschiede zwischen griechischer und deutscher Mentalität, die ich im Vorgängerwerk so erfrischend und liebevoll herausgearbeitet fand, kommen hier nicht pointiert zur Geltung.

Im Wesentlichen dient der Fall dazu, die Problematik von Finanz- und Flüchtlingskrise zu transportieren, sowie Beziehungen und deren Entwicklung darzustellen, nämlich vor allem die von

• Nick zu seiner Lebensgefährtin Sarah und dem gemeinsamen Sohn Elias, zu Kollegin Fani, zu seinem Vater, zu Griechenland und Deutschland sowie zu den Kollegen der beiden Länder,

• Nicks Vater zu seiner Ex- und jetzigen Frau und zu Nick,

• Kollege Alexis zu seiner Ex-Frau, die seine Stimmung stark beeinträchtigt und daher Einfluss auf das Verhältnis zu Nick hat.

Fazit: eher ein politisch gefärbter Beziehungsroman als ein spannender Krimi, bei dem doch die Ermittlungstätigkeit im Vordergrund stehen sollte.

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http://www.annette-traks.com

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