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Rezension "Der verborgene Garten" von Kate Morton

23/09/2015 18:30 CEST | Aktualisiert 23/09/2016 11:12 CEST
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1913 im australischen Maryborough: Hafenmeister Hamish Andrews, dessen Ehe zu seinem und zum Leidwesen seiner Frau Lil bislang kinderlos geblieben ist, bringt eines Tages ein kleines Mädchen mit nach Hause. Es ist ohne Begleitung mit einem Schiff aus England gekommen und am Zielhafen von niemandem erwartet worden.

Die Kleine nennt nicht ihren Namen und der Inhalt eines Köfferchens - u.a. ein Märchenbuch der Autorin Eliza Makepeace - gibt auch keinen Aufschluss über die Identität der Vierjährigen. So taufen Hamish und Lil sie Nell und geben ihr ein neues, liebevolles Zuhause.

Erst 17 Jahre später, an ihrem 21. Geburtstag, erfährt Nell von Hamish (seine Frau ist vor kurzem gestorben), dass sie einst an Kindes statt angenommen wurde. Für die junge Frau bricht eine Welt zusammen und sie zieht sich zurück.

Später heiratet sie und bekommt Tochter Lesley, zu der sie aber immer ein zwiespältiges Verhältnis hat. Lesley ist als Erwachsene sehr unstet, Tochter Cassandra - Nells Enkelin - ihr eher lästig. Mit 8 Jahren gibt sie das Mädchen bei der Großmutter ab, wo es fortan aufwächst.

Nach Nells Tod im Jahr 2005 erbt Cassandra den gesamten Besitz der Großmutter - unter anderem auch ein Haus in Cornwall, von dem niemand etwas wusste. Cassandra reist dorthin, taucht tief in die Vergangenheit ein und deckt nach und nach eine grandiose Familiengeschichte auf - ihre Familiengeschichte! -, die bis ans Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht.

Resümee:

Die im Roman erzählte Geschichte erstreckt sich über mehrere Generationen; sie wird in alternierenden Handlungssträngen erzählt. Die Zeitebenen umfassen dabei im Wesentlichen

• die Jahre 1913/14 im australischen Maryborough, als die 4-jährige Nell mit dem Schiff in Australien ankommt und von Hamish und Lil Andrews wie ein eigenes Kind aufgenommen wird,

• die Jahre 1975/76 in Brisbane mit Nell, Cassandra und deren Mutter Lesley als Protagonisten,

• das Jahr 2005, beginnend mit dem Tod Nells ins Brisbane; im gleichen Jahr macht sich ihre Enkelin Cassandra auf die Reise nach Cornwall.

Eingefügt sind auch Episoden aus anderen Jahren. In den letzten beiden Dritteln sind dies vor allem Rückblenden an den Anfang des 20. Jahrhunderts, die die Familiengeschichte schildern, wie Cassandra sie im Rahmen ihrer Recherchen in Cornwall nach und nach aufdeckt.

Angereichert wird alles noch durch Märchen der Autorin Eliza Makepeace, die gleichzeitig in der Familiengeschichte eine tragende Rolle einnimmt.

Es wird sicher deutlich, dass die Handlung sehr komplex und verschlungen ist. Durch den häufigen Wechsel der Zeitebenen und Erzählperspektiven fügen sich die einzelnen Episoden wie Puzzle-Teilchen nach und nach aneinander, mal von der einen, mal von der anderen Seite. Auf diese Weise ist zum Schluss schließlich das Geheimnis um Cassandras Großmutter Nell gelöst und eine komplette Familiengeschichte liegt vor einem.

Diese Technik lässt ein spannendes, mitreißendes Werk entstehen, bei dessen Lektüre der Leser in eine geheimnisvolle Geschichte eintauchen kann. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, wird gelegentlich dadurch gesteigert, dass die Autorin falsche Fährten legt.

In dieser Komplexität kann jedoch auch ein Problem liegen:

Nach einer Lesepause kommt man nur sehr schwer wieder ins Geschehen hinein.

Die Sprache ist sehr bildhaft, manchmal geradezu märchenhaft, Situationen und Personen werden (liebevoll) detailliert beschrieben.

Fazit: ein spannender, gefühlvoller und sehr bildreicher Roman. Man muss sich allerdings auf ihn in seiner ganzen Länge (640 Seiten) einlassen können; er ist nichts für "eben mal zwischendurch".

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