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Rezension "Der tödliche Tanz des Monsieur Bernard" von Marie Pellissier

10/01/2016 10:43 CET | Aktualisiert 10/01/2017 11:12 CET

Der berühmte Ballett-Direktor Guillaume Bernard wohnt am schönen Pariser Place de Vosges - in dem Haus, das Lucie Ferreira samt seiner Bewohner bereits seit mehr als 40 Jahren als Gardienne engagiert betreut. So ist es kein Wunder, dass auch sie bei einer glanzvollen Premierenvorstellung anlässlich des Geburtstags von Monsieur Bernard unter den Zuschauern in der Pariser Oper weilt.

Als sie dort am nächsten Tag als Putzfrau bei den Aufräumarbeiten aushilft, erschüttert plötzlich ein lauter Schrei das Gemäuer und Lucie findet Monsieur Bernard reglos am Fuß der großen Treppe liegen, die er heruntergestürzt zu sein scheint. Der herbeigeeilte Arzt kann nur noch den Tod des Meisters feststellen.

Während Kommissar Legrand von einem tragischen Unfalltod ausgeht, wittert Lucie ein Verbrechen und nimmt sich des Falles an. Im Laufe der Zeit blickt sie immer mehr hinter die schöne Fassade der Pariser Oper und ihrer Akteure, taucht in die Vergangenheit der dortigen Ballett-Szene ein und kommt einigen Leuten gefährlich nahe.

Resümee:

Nach "Die tödliche Tugend der Madame Blandel" ist dies der zweite Paris-Krimi um Haushälterin Lucie vom Place de Vosges, die sich engagiert um das Haus sowie die Belange seiner Bewohner kümmert und von allen geschätzt wird.

Auch bei diesem Fall geht sie nicht mit Kommissar Legrand konform, der am liebsten bei seiner These vom Unfalltod Monsieur Bernards bleiben möchte. Umso mehr, als ihn Amors Pfeil getroffen hat, was sich nicht unbedingt positiv auf seine Arbeit auswirkt.

Lucie hingegen ist davon überzeugt, dass es sich bei dem tödlichen Treppensturz des Ballett-Direktors um Mord handelt und begibt sich in Miss-Marple-Manier mit großem Engagement auf Mörderjagd.

Sie deckt so manche Ungereimtheiten auf und lässt den Leser daran teilhaben, wenn sie nach und nach verschiedene Personen verdächtigt, Monsieur Bernard aus dem Weg geräumt haben. Diese zusammen mit Lucie genau "unter die Lupe" zu nehmen, ist um so spannender, als bis zum fulminanten Endspurt niemand so richtig als Täter dingfest zu machen ist.

Da Lucie sehr bemüht ist, ihre Pflichten als Gardienne, Ehefrau und Mutter während der Ermittlungsarbeit nicht zu vernachlässigen, stößt sie manchmal nicht nur gesundheitlich an ihre Grenzen. Doch der Leser kann sich gut in sie hineinversetzen, wenn er die couragierte Frau auf ihrer Tätersuche begleitet, bei der sie viel gesunden Menschenverstand und pragmatisches Vorgehen an den Tag legt. Und auch die anderen Charaktere sind so hervorragend ausgestaltet, dass man ihr Denken und Fühlen gut nachempfinden kann.

Außerdem erfahren wir viel über die Pariser Oper und die dortige Ballett-Szene, in der hinter der schönen äußeren Fassade oft Neid, Konkurrenzdenken und Intrigen an der Tagesordnung sind.

Das Atmosphärische wird durch das gelegentliche Einstreuen von kurzen französischen Sätzen oder einzelnen Wörtern unterstrichen.

Bemerkenswert ist noch, dass die Autorin in ihr Buch aktuelle Ereignisse wie beispielsweise den Anschlag auf die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" vom 7. Januar 2015 eingearbeitet hat.

Fazit: ein heiterer und zugleich spannender Paris-Krimi.

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