BLOG

Rezension zu "Das 2. Gesicht" von Nika Lubitsch

15/02/2016 13:12 CET | Aktualisiert 15/02/2017 11:12 CET
Shutterstock

Die junge Verlagsmitarbeiterin Julia schwärmt schon lange für den erfolgreichen amerikanischen Thriller-Autor George Osterman, dessen Bücher sie in- und auswendig kennt. Als er nun für eine Lesereise nach Deutschland kommt und ihr seine Betreuung übertragen wird, ist sie selig ... und verliebt sich unsterblich in ihn.

Auch Osterman scheint in Julia die ideale Frau gefunden zu haben und macht ihr schon bald einen Heiratsantrag. Sie lässt in Deutschland sofort alles stehen und liegen und fliegt mit dem Mann ihrer Sehnsüchte nach Amerika. Nach einer schnellen Hochzeit in Las Vegas und der traumhaften Hochzeitsreise durch das Land fühlt sie sich wie im siebten Himmel.

Fortan ist das luxuriöse Anwesen Ostermans in Florida ihr neues Zuhause.

Doch Julias Leben entwickelt sich schleichend zu einem Albtraum:

In dem schlossähnlichen Haus lebt sie mutterseelenallein; nur Hausangestellte und Service-Firmen tauchen gelegentlich auf. George Osterman zieht es vor, seine Thriller in einem einsam gelegenen Strandhaus zu schreiben, dessen Adresse er nicht einmal seiner Frau verrät, die er aus tiefstem Herzen zu lieben immer wieder beteuert.

So hatte Julia sich ihr Leben an der Seite des geliebten Mannes nicht vorgestellt!

Als sie eines Tages in den Nachrichten hört, dass in den Everglades eine zerstückelte Frauenleiche gefunden wurde, gefriert ihr das Blut in den Adern: Jemand hat ganz offensichtlich als Vorlage für die Tat eines von Georges Büchern genommen.

In dem Maße wie das Verhalten ihres Mannes ihr zunehmend suspekt vorkommt, sie bald überhaupt nicht mehr weiß, was sie davon halten soll, zweifelt die junge Frau immer öfter daran, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sie fragt sich, ob Amerikas Schriftsteller-Ikone vielleicht ein furchtbares 2. Gesicht hat.

Als Julias beste Freundin Sandra zu Besuch kommt, wollen beide den vielen Fragen rund um George auf den Grund gehen und "werden in einen tödlichen Strudel von Ereignissen gerissen, zu denen George Osterman das Drehbuch schrieb." (amazon.de).

Resümee:

Dies ist ein veritabler Thriller!

Zwar wird im Prolog bereits das Ende vorweggenommen, er enthält auch einige Andeutungen. Aber das macht hier gerade einen Teil der Spannung aus:

Der Leser will unbedingt erfahren, wie die Geschichte um Julia und George so enden konnte. Und genau dies wird im Verlauf der Handlung nach und nach aufgedeckt. Schritt für Schritt wird das 2. Gesicht des Thriller-Autors enthüllt. Die Schauer, die dem Leser dabei den Rücken herunterlaufen, werden immer intensiver. Und am Schluss - nach einigen dramatischen Wendungen - verschlägt es einem fast den Atem.

Julias Verhalten war für mich von Anfang bis Ende schlüssig nachvollziehbar:

Schon lange himmelt sie den Autor George Osterman an, sieht in ihm den Mann ihrer Träume. Als er dann leibhaftig vor ihr steht, schwebt sie wie auf Wolken. Die Liebe macht sie blind, lässt sie kopflos werden - nur so ist es zu erklären, dass sie mit ihm als zukünftigem Ehemann überstürzt nach Amerika fliegt. Nika Lubitsch versteht es in der Folge hervorragend, Julias sukzessiven Abstieg vom 7. Himmel in die Hölle aufzuzeigen.

So präzise-scharf deren Charakter konturiert ist, so nebulös-mystisch bleibt - ganz seiner Rolle entsprechend - der von George Osterman. Er bekommt erst ganz am Schluss seine klare Gestalt.

Als einziger Kritikpunkt sei erwähnt, dass oft seitenlange Passagen wiederholt werden - meist sogar wörtlich. Dies ist in erster Linie dann der Fall, wenn es um Inhalte aus George Ostermans Büchern geht ... und es hat mich ziemlich genervt.

Fazit: ein hochspannender Thriller, wenn auch mit einem Wermutstropfen

259 Rezensionen von 183 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:

http://www.annette-traks.com

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.