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Zahnfleischbluten - eine Gefahr fürs Herz?

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Judith Haeusler via Getty Images
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Zahnfleischbluten scheint ganz harmlos zu sein: Es tut nicht weh, vergeht meist von selbst und beeinträchtigt die Lebensqualität nicht weiter. Warum Sie es trotzdem ernst nehmen sollten.

Symptome einer Zahnfleischentzündung

Zahnfleischbluten ist weit verbreitet, auch unter jungen Erwachsenen. 90 Prozent aller 18-Jährigen sind davon betroffen. Hinter diesem unscheinbaren Symptom steckt meist eine Zahnfleischentzündung, die Gingivitis. Sie lässt das normalerweise rosafarbene Zahnfleisch rot werden und anschwellen. Wird die Entzündung an diesem Punkt nicht eingedämmt, kann sie sich schließlich auch im Zahnbett und im Zahnhalteapparat ausbreiten. Eine Parodontitis ist entstanden.

Zu den anfänglichen Symptomen können sich nun Mundgeruch, Druckempfindlichkeit, Zahnfleischtaschen oder Knochenabbau gesellen. Auch diese Symptome scheinen nicht allzu ernst zu sein. Aber der Schein trügt: Langfristig kann der ganze Körper aus dem Gleichgewicht geraten.

Parodontitis als Risikofaktor für die Koronare Herzkrankheit

Blutet das Zahnfleisch, gelangen Bakterien leicht in den Blutkreislauf. Tatsächlich wiesen Forscher bei 30 bis 40 Prozent der Parodontitispatienten, die bereits an einer Koronaren Herzkrankheit litten, Keime aus der Mundhöhle in Belägen der Blutgefäße nach. Sie können zu Gefäßverletzungen oder zur Verklumpung des Blutes führen und damit die Allgemeingesundheit gefährden.

Droht ein Herzinfarkt?

Der Koronare Herzinfarkt ist häufig erst der Anfang. Sind die Arterien erst einmal verengt, kann es zu Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder auch zum Herzinfarkt kommen. Eine schwedische Langzeitstudie mit über 8.000 Teilnehmern ergab, dass Menschen mit sehr krankem Zahnfleisch ein 70 Prozent höheres Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Das heißt natürlich nicht, dass jeder Parodontitispatient ein Herzleiden entwickeln wird - tatsächlich sind die kausalen Zusammenhänge noch nicht eindeutig geklärt. Parodontitis kann jedoch wie Rauchen, Übergewicht oder Bluthochdruck ein Risikofaktor sein, den es zu vermeiden gilt.

Weitere Folgen für die Allgemeingesundheit

Parodontitis kann zu Schwangerschaftskomplikationen führen und erhöht das Diabetesrisiko. Die Patienten haben darüber hinaus ein 5,4-fach erhöhtes Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, und ein 2,6-faches Risiko, eine rheumatoide Arthrose zu entwickeln. Auch bei Krebserkrankungen lassen sich Zusammenhänge herstellen.

Was Sie selbst tun können

Parodontitis ist kein unaufhaltsames Übel: Verbessern Sie Ihre Mundhygiene, zum Beispiel indem Sie einmal pro Tag Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten verwenden und Ihre Zähne systematisch von allen Seiten putzen, um der Bakterienbesiedelung Einhalt zu gebieten.

Gehen Sie außerdem regelmäßig zum Zahnarzt: Die bereits entstandenen Schäden lassen sich zwar nicht rückgängig machen, aber eine gründliche Parodontitstherapie kann das Fortschreiten der Parodontitis stoppen. Auch der Zustand der Blutgefäße verbessert sich nach rund sechs Monaten.

Um Ihre Mundgesundheit langfristig zu schützen, ist Ihre Mitarbeit gefragt: Auch nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung sind regelmäßige Nachuntersuchungen notwendig, damit die Entzündungsherde nicht wieder aufflammen. Ihr Zahnarzt erklärt Ihnen gerne, wie Sie die Entstehung einer Parodontitis in Zukunft vorbeugen können.

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