BLOG

Eine offene Plattform fĂŒr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Annelie Buntenbach Headshot

Wer hat Angst vorm Renten-Wahlkampf?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
RENTE
Getty
Drucken

Die Parteien haben Angst vor einem „Renten-Wahlkampf". Sie fĂŒrchten einen Überbietungswettbewerb bei der Rentenhöhe. Einige Journalisten reichern dieses Szenario gerne mit der „Macht" der 21 Mio. Rentnerinnen und Rentner an und stellen sie gegen die „Ohnmacht der Jungen".

Moment mal: Welches Bild haben Partei-Strategen eigentlich von den WÀhlerinnen und WÀhlern? Denken sie wirklich, derjenige gewinnt, der ihnen die dickste Renten-Karotte vor die Nase hÀngt?

Ich glaube, die meisten Menschen in diesem Land wissen sehr genau, dass Rente auch was kostet. Schon aus diesem Grund wĂŒrden sie nicht den kĂŒhnsten Rentenversprechen hinterherlaufen. Ich glaube aber auch: Die meisten Menschen finden es ungerecht, dass Regierung und Parlament vor einiger Zeit beschlossen haben, die Renten langfristig sinken zu lassen.

Es könne ja zusÀtzlich privat gespart werden. Wovon denn? fragen viele und sie haben Recht.

Was ist das Lebenswerk eines Menschen wert?

Deshalb ist es gut ĂŒber Rentenpolitik zu streiten. Sie hat nĂ€mlich ziemlich viel mit dem wahren Leben zu tun und stellt uns unbequeme Fragen: Wie wollen wir leben, wenn wir alt sind? Wollen wir wirklich bis zum Sargdeckel arbeiten?

Wie gehen wir um mit denjenigen, die im Supermarkt fĂŒr uns die Regale einrĂ€umen, uns im Linienbus von A nach B bringen oder im BĂŒro unsere KaffeerĂ€nder vom Schreibtisch wischen? Rentenpolitik ist mehr als Mathematik.

Hier zeigt sich, was einer Gesellschaft das Lebenswerk eines Menschen wert ist. Auf diese Frage geben die Parteien durchaus unterschiedliche Antworten und sie sollten diskutiert zu werden.

Zum Beispiel die Frage, wie wir so genannte gesamtgesellschaftliche Aufgaben finanzieren: viel zu oft ĂŒber die Beitragskasse statt aus dem Steuertopf. Ein Beispiel ist die MĂŒtterrente, die die Sozialversicherungen jĂ€hrlich sieben Milliarden Euro kostet.

Nach Litauen hat Deutschland den grĂ¶ĂŸten Niedriglohnsektor Europas

Aber die Herausforderungen sind grĂ¶ĂŸer: Nach Litauen hat Deutschland den grĂ¶ĂŸten Niedriglohnsektor Europas; mehr als eine Million Menschen arbeiten Teilzeit, obwohl sie das gar nicht wollen. Wenn damit Schluss wĂ€re, könnten Steuer- und Beitragskassen Mehreinnahmen in Milliardenhöhe verbuchen.

Oft wird behauptet, die Stabilisierung des Rentenniveaus belaste die Jugend. Als interessierten sich jĂŒngere BerufstĂ€tige nur fĂŒr niedrige BeitrĂ€ge, die Höhe ihrer spĂ€teren Rente sei ihnen dagegen völlig egal. Ich glaube das nicht.

Wir dĂŒrfen es den Jungen nicht lĂ€nger zumuten, stetig steigende BeitrĂ€ge zu zahlen und spĂ€ter immer weniger Rente zu bekommen. Das ist der denkbar schlechteste Deal. Und im Jahr 2025 wĂŒrde es einen Durchschnittsverdiener weniger als 11 Euro im Monat kosten, wenn wir das Rentenniveau stabilisieren. Das ist gerade mal ein Kinobesuch.

Hier gehts zur Petition "Mit deiner Stimme den Renten-Sinkflug stoppen"

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform fĂŒr alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.