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Warum Amerikas Personenkult verheerend für die Welt ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CLINTON TRUMP
Bloomberg via Getty Images
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Nachdem nun auch die dritte TV-Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump vorbei ist und allen Anschein nach Trumps Herausforderin die Wahl gewinnt, lässt sich ein müdes Fazit ziehen: Nichts hat diese Präsidentschaftswahl stärker geprägt als der unverwechselbare, unterhaltsame Personenkult Amerikas.

Natürlich ging es auch in der letzten Debatte um die großen Themen wie Einwanderung, Militär und Polizei, Staatsverschuldung und Außenpolitik. Und der Moderator des Abends, Chris Wallace vom Trump-freundlichen Sender Fox News, fasste trefflich zusammen, dass sich beide Kandidaten in jenen Themen kaum weiter von einander entscheiden können.

Jedoch ist eben das das Problem im komplexen Heute der Politik. Es geht nämlich nicht um links oder rechts, gut oder schlecht, erfahren oder unerfahren, sondern darum, sich inhaltlich soweit wie nur möglich vom politischen Gegner zu entfernen.

Bloß nicht einer Meinung sein

Dieses Phänomen zeigt sich vor allem in der Haltung beider Präsidentschaftskandidaten zum Syrienkrieg, zu den Beziehungen mit Russland und zur Zukunft der NATO. Besonders merkwürdig ist, dass die eher moderaten Demokraten von einer offensiven Expansionspolitik sprechen, während Politneuling Donald Trump zum militärischen Rückzug aufruft und sogar mit seinem Vize-Präsidenten, Mike Pence, in dieser Frage brechen würde.

Das riskante Merkmal des Schwarz-Weiß-Denkens ist, dass weder Clintons noch Trumps Parolen aus der derzeitigen Krise im Nahen und Mittleren Osten führt. Dabei präsentieren beide Kandidaten ihre Strategien als Lösungen für die vielen globalen Konflikte. Zumindest sollten sie das sein.

Doch das sind sie offenbar nicht. Während Donald Trump damit kokettiert, Wladimir Putin nie getroffen zu haben, seine positiven Worte über eine mögliche Zusammenarbeit mit ihm als US-Präsidenten trotzdem zu schätzen, scheint Hillary Clintons Ton gegenüber Russlands Putin rauer denn je.

Clinton denkt gar nicht daran, die NATO-Erweiterung im Osten Europas aufzuhalten, während Donald Trump als Präsident sich allmählich aus der kaum lukrativen Partnerschaft mit EU-Staaten zurückziehen möchte. Clinton plant den Einsatz in Syrien zu erhöhen, während Trump von einem starken Trio von US-, Putin- und Assad-geführten Truppen gegen den Islamischen Staat spricht.

Hauptsache die Wahl gewinnen

Das Argument der Bewältigung der humanitären Katastrophe findet in diesen Debatten nur beiläufig Raum. Denn in erster Linie geht es den Demokraten wie auch den Republikanern darum, die Wahl am 8. November zu gewinnen.

Die Beziehung zu Russland wie auch der militärische Einsatz im Nahen und Mittleren Osten, beides dominiert die US-amerikanische Außenpolitik seit Jahrzehnten. In der Retrospektive gelten viele politische Strategien als gescheitert und das Verhältnis zum ehemaligen ideologischen Supergegner als verdorben.

Doch werden Zukunft und Gegenwart wohl sehr wahrscheinlich nah beieinander liegen. Denn weder wird Trump in der Lage sein, die US-Russland-Beziehungen um 180 Grad zu wenden, noch wird Hillary Clinton den Kampf gegen den Terror gewinnen - genau so wenig wie Barack Obama Guantanamo schließen, George W. Bush demokratische Werte verkaufen und Bill Clinton's Krieg im Kosovo seine Ziele erfüllen konnte.

Kürzlich sagte der noch amtierende US-Präsident Barack Obama während seines letzten Staatsdinners, dass er sprachliche Vereinfachungen komplexer Angelegenheiten nicht ausstehen könne. Doch im Wahlkampf kann auf simple Sprüche nicht verzichtet werden. Das Konzept der zu finanzierenden Wahlkampagnen lässt keine langen und komplizierten Debatten über politische Zukunftsmelodien zu. Und in den letzten Wochen geht es nur ums Gewinnen und nicht um Aleppo oder Mossul.

Wenn man den eigenen Hype glaubt

Sicher hat die Machtausübung der höchsten Instanz im Staat viele Facetten und ist in der Theorie wie auch in der Praxis ebenso komplex wie Politik in Zeiten der Globalisierung. Und wenn die Mehrheit des Volkes 'das kleinere Übel' dazu befähigt, die Geschicke des Landes mindestens für eine Legislaturperiode zu leiten, dann fällt das unter Demokratie und Recht auf Meinungsfreiheit.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass dieser Wahlkampf erneut die Schwachstellen eines Systems aufzeigt, in dem das Honorieren der eigenen Eitelkeit und Interessiertheit das Ziel ist.

Donald Trump sagte, er würde den Wahlgewinn Hillary Clintons nicht anerkennen. Das erinnert an das Jahr 2005, als einst Gerhard Schröder den Sieg Angela Merkels nicht glauben wollte. Doch das Verständnis von Sieg und Verlust scheint weniger die eigene Politik, als wie mehr den Kult oder nicht-Kult um die eigene Person zu betreffen. Man sollte seinen eigenen Hype nie glauben, heißt es. Doch wenn der Machtanspruch eben davon lebt, müssen langfristige Gestaltungsansätze wohl oder übel dem Reagieren auf Probleme weichen.

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